Politik : ...wir schneller schreiben

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Die griffigste Eingangsformel lautete: asdfjklö. Von asdfjklö waren sie alle zu erreichen, selbst das abseitige q im hohen Norden und Downunder das große Y. Wer auf Schreibmaschinen schreiben lernen wollte, der legte die Finger auf asdfjklö, und konnte dann nach nur ein paar gebrochenen Gliedmaßen mit zehn Fingern schreiben.

Schreibmaschine? Äh, was war das denn noch mal? Das waren so lustige Kästen, da waren kleine Stangen drin mit Buchstaben an der Spitze. Und wenn man an dem Kasten auf einzelne Knöpfe mit aufgezeichneten Buchstaben drückte, P, e, n, g zum Beispiel, dann knallten die kleinen Stangen nach vorne und schrieben Peng aufs Papier. Und wenn man zu schnell auf die einzelnen Buchstaben drückte, dann verhakten sich die Stänglein schon mal. Damit das nicht zu oft vorkam, wurden die häufig getippten Buchstaben weit voneinander angelegt. Das geschah natürlich in Amerika, 1874, die Sholes & Glidden Typewriter hatte eine Tastatur mit weit auseinander liegenden häufig getippten Buchstaben. Das war die QwertyTastatur, nach den ersten Buchstaben in der obersten Reihe. In Europa wurde daraus die Qwertz-Tastatur. Nur die Franzosen, die haben wieder eine andere Anordnung, klar, die wollen ja immer noch nichts von Europa wissen. Schreibmaschinen sind aber stark aus der Mode gekommen, Schreibmaschinen braucht heute praktisch keiner mehr.

Im Computer verhaken sich keine Stänglein mehr, auf Stänglein muss keine Tastatur mehr Rücksicht nehmen. Bei Jugend forscht ist dieser Tage ein Preis vergeben worden für eine neue Tastatur, die heißt Ristome und soll das Schreibtempo um 25 Prozent beschleunigen. Man ist also mit seinem Text viel schneller fertig und kann dann nach Hause gehen. Aber dann bekommt man sicherlich 25 Prozent weniger Gehalt. Oder man muss 25 Prozent mehr Texte schreiben. 25 Prozent mehr Texte, um auf das gleiche Gehalt zu bekommen, das ist unmenschlich. Bei Licht gesehen ist die Ristome-Tastatur gar keine preiswürdige Entwicklung, sondern eine neoliberale Attacke auf Arbeitnehmerrechte. Verdi und Frank Bsirske müssen einschreiten.

Und außerdem, 25 Prozent mehr Geschäftsbriefe, Kündigungen, Beschwerden, Mahnungen, wer soll das alles lesen? Mit der Maschine oder dem Computer werden eh meist nur negative Sachen geschrieben. Liebesbriefe und Danksagungen und Glückwünsche schreibt man mit der Hand und dem Herzen. Mit Ristome kommt also noch mehr schlechte Stimmung ins Land. 25 Prozent miese Laune mehr können wir uns nicht leisten. Sollen doch die Franzosen sich mit Ristome placken.uem

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