Politik : … wir uns auf die Arbeit freuen

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Michael Schumacher hat dieser Tage gesagt, dass er nun, als Ruheständler, gerne einmal mit Walen tauchen gehen möchte. Ach, das muss herrlich sein, mit einem knuddeligen Pottwal runter auf 2000, 3000 Meter, dort ein bisschen singen, dann wieder hoch, Wasser in die Luft pusten und wieder hinab. Und das alles mit gemächlichem Flossenschlag, nicht mehr im Bolidenrausch. Waltauchen, hat Schumacher gesagt, sei eines von den Dingen, die er immer schon tun wollte.

Das hat auch die Mehrheit der Deutschen vor Augen. Nicht das Waltauchen, zumindest wurde danach nicht gefragt, aber die Dinge, die sie immer schon tun wollte. Weswegen sich diese Mehrheit, knapp 60 Prozent, auf das Alter freut. Die Freude gründet auf die Ansicht, dann nicht mehr arbeiten zu müssen. Offensichtlich liest die Mehrheit der Deutschen keine Zeitung. Bei den Nachrichten im Fernsehen schaltet sie weg. Und im Radio spielt bei dieser Mehrheit nur der Dudelsender. Sonst wüsste die Mehrheit, dass in ihrem Alter der Renteneintritt bis wohl auf 73 Jahre gestiegen, wohingegen die monatliche Rente auf einen zweistelligen Euro-Betrag gesunken sein wird. Waltauchen fällt dann weg, schon wegen der Kosten, aber auch wegen der Zipperlein. Befragt wurden Bundesbürger ab 14 Jahren. Wenn die alt sind, dürfte es kaum mehr fürs Briefmarken sammeln reichen. Dann können sie sich nicht mal wenigstens an den Zähnen erfreuen.

Was am Altern erstrebenswert ist, das soll einem ein Mal einer erklären. Außer, dass man nichts dafür tun muss. Alt wird man von alleine. Außerdem gibt es gar keine Alten mehr. Heutzutage sind die Alten ja jung, Forever young. Damit das funktioniert, müssen sie ständig auf der Hatz sein. Sie joggen durch die Straßen, stapfen auch im Herbst und im Frühling und im Sommer mit irritierenden Skistöcken durch die Wälder, sie wuchten Gewichte, strampeln auf Rädern und werden nie alt. Das soll schön sein? Arbeit ist das, harte Arbeit!

Was wir daraus schließen? Wenn die Mehrheit der Deutschen sich aufs Alter freut, weil sie dann nicht mehr arbeiten muss, freut sie sich folglich insgeheim auf harte Arbeit in der Muckibude, im Wald, auf dem Laufband. Weil alt sein und Altsein nicht im Trend ist, alt sein und Jungsein der Witz ist.

Die Umfrage könnte unmittelbare Auswirkungen auf die Rentendebatte haben. Wenn sich die Mehrheit der Deutschen, knapp 60 Prozent, auf Altersarbeit freut, kann sie doch auch gleich arbeiten. Warum eigentlich Rente schon mit 67? Der Mehrheitswunsch geht in Richtung 92 oder so. Die Minderheit kann ja dann Waltauchen gehen.uem

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