Politik : ... wir von Düffel-Doffeln regiert werden

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Neulich, bei der Europawahl, erinnerten wir uns wieder an den CDUPolitiker Ingo Schmitt. Auf den Plakaten sah er Horst Tappert ähnlich. Er hat so traurige Augen. Ingo Schmitt ist jetzt Europaabgeordneter. Als Berliner CDU-Generalsekretär musste er zurücktreten, weil er den SPD-Senator Böger „die größte Politnutte, die ich kenne“ genannt hat. Alle Leute dachten: „Die größte? Um dies kompetent beurteilen zu können, muss ein Mensch natürlich erst einmal eine ganze Reihe kleine, halb- und mittelgroße Politnutten kennen gelernt haben.“ Auf diese Weise geriet jene Gruppe, in der Ingo Schmitt besonders viele Leute kennt, nämlich die CDU, in Politnuttengeneralverdacht.

Die Überhäufung des Gegners mit verbalem Unflat gehört nicht erst seit den legendären Tagen von Herbert Wehner – „Sie Düffel-Doffel! Sie Flaschenkopp!“ –, sondern sogar schon seit der Antike zu den Ritualen der Politik. Das ist irgendwie normal. Manche Leute rasten schon beim Monopoly aus oder an der Ampel, wenn der Fahrer vor ihnen bei Grün nicht gleich Gas gibt. Und in der Politik geht es ja um viel mehr, die Nation, den Weltfrieden, die Altersversorgung des Politikers. In diesen Tagen erleben wir gerade wieder eine Hochkonjunktur des politischen Beschimpfungswesens. Kanzler Schröder beschimpft Gewerkschafter. Reinhard Bütikofer, der Grünen-Chef, beschimpft die CDUler als „Memmen" und „Weicheier“. In Amerika hat der Vizepräsident Dick Cheney sich mit einem Senator der Opposition darüber gestritten, wer von beiden der bessere Katholik ist, ein Streit, den Dick Cheney mit den Worten „Fuck you! Fuck yourself!“ nicht nur beendet, sondern womöglich auch für sich entschieden hat, denn wenn die Katholiken etwas besser können als die Evangelischen, dann ist es das Fluchen.

Memmen? Weicheier? Auch in der Politikerbeschimpfungsbranche sind wir Deutschen von heute nicht sehr kreativ. Gerade bei der von einer Frau geleiteten CDU hätte sich als Beschimpfung „Ihr Frauenversteher!“ angeboten, was die CDU, in Anspielung auf das leicht Machohafte des SPD-Kanzlers, mit „Ihr Wie-war-ich-Frager!“ hätte beantworten können. Bei dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Wehner hatte sich übrigens mal ein Abgeordneter namens Zebisch darüber beklagt, dass die Sitzplätze im Parlament nach dem Alphabet vergeben werden, Zebisch saß ganz hinten. Wehner blickte ihn an und sagte: „Nennen Sie sich einfach ab sofort Genosse Arschloch.“ So redete der! Wehner wäre heute wahrscheinlich auch im Europaparlament. mrt

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