Politik : … wir weiblich wählen

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Für Gesellschaftsspiele an kalten Winterabenden ist derzeit der „Gesprächsleitfaden für Einwanderungsbehörden“ aus Baden-Württemberg der absolute Renner. Frage 28, zum Beispiel, längst ein Brüller: „Ihre Tochter bewirbt sich um eine Stelle in Deutschland. Sie bekommt jedoch ein ablehnendes Schreiben. Später erfahren Sie, dass eine Schwarzafrikanerin aus Somalia die Stelle bekommen hat. Wie reagieren Sie?“ Schnell kann man hier mit ein paar selbst gebastelten Anforderungskärtchen zusätzlich den Heiterkeitsfaktor erhöhen, kostet auch nix. Der Proband hat nach kurzer Bedenkzeit entweder a) besonders ölig oder b) rücksichtslos realitätsnah zu antworten.

Also: Wie reagieren Sie? In etwa so:

a) Ich begrüße es außerordentlich, dass ein zumal dunkelhäutiger Mensch, der den langen, beschwerlichen Weg vom gebeutelten afrikanischen Kontinent nach Deutschland auf sich genommen hat, eine Chance in unserer offenen Gesellschaft bekommt. Lange habe ich mich mit dem Thema Somalia nur unzureichend auseinander gesetzt, werde nun aber versuchen, in meiner Kirchengemeinde eine Ausstellung über somalisches Kunsthandwerk zu initiieren. Meiner Tochter habe ich anempfohlen, ihr Zusatzstudium der Quantenmechanik zu intensivieren.

b) Somalia? Was is’n dit? Und wieso ’ne Schwarze? Wenn meine Tochter nachher aus der Disco kommt, die kriegt erst mal links und rechts …, äh, ich meine, die kriegt was zu hören!“

Konstruierte Einzelfälle, natürlich. Bitte, es kann auch ganz anders sein, in der Regel ist es aber so: Väter von Töchtern schleimen a) nicht rum oder hauen b) kräftig dazwischen, nein, sie wählen lieber SPD. Nicht immer, aber, wie gesagt, in der Regel. Britische Forscher haben das jetzt herausgefunden, und heute ist der Tag, an dem die „Zeit“ das veröffentlicht, es muss also stimmen. Tochter bekommen und SPD wählen ist nicht eins, aber die Wahrscheinlichkeit erhöht sich immerhin um 2,5 Prozentpunkte. Nach der Geburt eines Sohnes ist das anders, da hat die Union die Nase vorn. Väter, die sowohl Sohn als auch Tochter haben, werden vermutlich glühende Anhänger der großen Koalition sein, empirisch ist das aber noch nicht gesichert.

Schön, solche Studien. Drüben in England ist das ähnlich, weswegen die Forscher auch sofort mit einer Erklärung zur Hand sind: Ein Mann, der eine Tochter aufziehe, sehe die Welt aus weiblicher Sicht. Da Frauen im Schnitt weniger verdienten als Männer, steige das Interesse an einer stärkeren Umverteilung – da kommt das Kreuz in der Wahlkabine bei der SPD quasi automatisch.

Und was ist nun aus der Somalierin geworden? Ach, die hat den Job dann doch nicht gekriegt. Vbn

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