Politik : ... wir weich landen wollen

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Wahrscheinlich ist es höchste Zeit für ein wenig Urdu. Hierzulande spricht das ja praktisch kein Mensch, in Pakistan hingegen ist es sogar Amtssprache. Rechnet man alle Zweitsprachler hinzu, kommt man weltweit über den Daumen auf etwa 200 Millionen. Könnte doch sein, dass man mit dem einen oder anderen mal ins Gespräch kommen will, oder?

Um es vorwegzunehmen: Ganz einfach ist Urdu nicht. Rein phonetisch liegt da allerhand recht dicht beieinander. „Gadda“ zum Beispiel heißt Kissen, „Gadha“ wiederum bedeutet Esel. Im Alltagsgespräch ist das, entsprechende Gutwilligkeit vorausgesetzt, bestimmt auseinander zu halten. So wie unsereiner vom Pakistani ganz sicher zu verstehen ist, dass er, wenn er von „Kirsche“ spricht, nicht etwa „Kirche“ meint. (Lothar Emmerichs legendäres: „Gib mich die Kirsche“ mag hier ein Sonderfall sein, aber solche gibt es natürlich auch auf Urdu.)

Schwerer wiegt der Fall ohnehin beim gedruckten Wort, wovon ein derzeit in Schottland zirkulierendes Informationsblatt zeugt, mit dem dort die Feuerwehr auf das richtige Verhalten bei Bränden aufmerksam machen will. Damit in der Hektik des Augenblicks wegen etwaiger Sprachbarrieren nichts schief geht, gibt es den Flyer nun auch auf Urdu – bedauerlicherweise allerdings nicht ohne einen groben Übersetzungsfehler. Und so heißt der an sich gut gemeinte Feuerwehrrat: „Springen Sie nie direkt aus dem Fenster. Greifen Sie sich zuerst einen Esel, um dann nach unten zu kommen.“

Wer ahnt, wie pikiert bisweilen ethnische Minderheiten reagieren, wenn sie sich politisch unkorrekt behandelt fühlen, der weiß: Lustig ist so eine Verwechslung nicht! Wie schnell ist daraus eine Verschwörungstheorie konstruiert. Zwar mag der Esel im Zweifel sogar eine sicherere Landung garantieren als beispielsweise Omas durchgesessenes Sofakissen, etwa bei Sprüngen aus dem zweiten Stock. Nur hat man ihn halt auch sehr viel seltener zur Hand.

Entsprechend peinlich berührt zeigt sich die schottische Feuerwehr, die verspricht, schon bald ein korrigiertes Infoblatt herauszugeben.

Löblich ist das, nur reicht es aus? Nicht auszudenken, wenn das neue Faltblatt („Das hatten wir doch gerade erst letzte Woche im Briefkasten“) ungelesen den Weg in den Werbemüll gehen sollte. Und höchst unwahrscheinlich erscheinen allemal Synergieeffekte im Ernstfall, dann, wenn’s tatsächlich mal brennen sollte und im Familienkreis schnell die verschiedenen Flyer gezückt werden: „Ich nehm das Kissen.“ „Na gut, gib mich den Esel.“ Vbn

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