Politik : … wir Weihnachten modernisieren

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Sehen wir es realistisch: Die WeihnachtenAG hat ein riesiges Marketingproblem. All ihre Symbole sind abgenutzt, mindestens ein Jahrhundert alt wie der Tannenbaum oder auch zwei Jahrtausende wie die Krippe. Dass die typischen Hits „Alle Jahre wieder“ und „Ihr Kinderlein kommet“ die Charts aufgerollt haben, liegt eine Ewigkeit zurück. Eine klare Werbebotschaft, z. B. „Powered by God in Heaven“, ist nicht erkennbar, und der Weihnachtsmann – oh je. Wie lange werden die Anteilseigner noch diesen alten Mann mit dem Umhängebart herumziehen lassen? Es riecht stark nach Gewinnwarnung.

In London wurde jetzt ein neuer Weg ausprobiert, der noch mit ein paar Kinderkrankheiten behaftet ist – aber welche große Sache hätte nicht klein angefangen? Bei Tussaud’s, dem berühmten Wachsfigurenkabinett, haben sie Josef und Maria von David Beckham und seiner Victoria darstellen lassen, und hinter ihnen schwebte Kylie Minogue als Rauschgoldengel am Himmel. Auf das Jesuskind wurde verzichtet, aber dafür waren die Nebenrollen der Weisen aus dem Morgenland mit 1-A-Prominenz besetzt: George W. Bush, Tony Blair, Prinz Philip. Alle schauten so seltsam schokoladen aus ihren bunten Kutten, als sei ihnen gerade ein Mars-Riegel am Firmament über Bethlehem erschienen – aber damit greifen wir der werblichen Entwicklung wohl noch zu weit vor. Wie stark die Widerstände nämlich sind, erkennen wir daran, dass ein Unbekannter den Beckhams ein paar rechte Gerade auf die Wachsnasen verpasst und damit den Abbruch der Ausstellung erzwungen hat.

Also ist größte Vorsicht beim Modernisieren angebracht. Die „Randfichten“, kostümiert als Hirten auf dem Felde, dazu ihr Hit „Lebt denn das kleine Christkindl schon?“ – lieber nicht. Und es wäre dem deutschen Weihnachtsgefühl sicher abträglich, würden wir das traute, hochheilige Paar von sexuell irrlichternden Eheleuten aus der Glamourszene wie den Beckhams darstellen lassen. Günther Jauch allerdings wäre eine Traumbesetzung als Josef, glaubwürdig, populär, fleißig, sparsam; er würde bescheiden mit dem Opel aus Galiläa anreisen. Zusammen mit Thomas Gottschalk als Jungfrau Maria hätten wir da ein unschlagbares Marketingdoppel, das den Gedanken an Blasphemie nie aufkommen ließe.

Schwerer zu besetzen ist die Rolle des Allmächtigen. Franz, der Kaiser? Er hat durch das begriffsstutzige „Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten?“ gewisse Kompetenzmängel angedeutet. Schumi? Zu laut. Aber der wäre richtig als Weihnachtsmann – denn auch der Rentierschlitten ist ja längst reif für eine zeitgemäße Interpretation. bm

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