Politik : ...wir werden wie die Italiener

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Heute ist ein verlorener Tag. Also, so richtig verloren. Die anderen dürfen Fußball spielen, wir dürfen nicht. Wir dürfen uns nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Wir sind Gastgeber. Weil in unserer Bundesliga ganz, ganz viele Ausländer spielen, die wiederum in ihren Nationalmannschaften sich qualifizieren dürfen für die Weltmeisterschaft, fällt unsere Bundesliga aus. Wir dürfen also nicht einmal üben. So, dann wissen wir das jetzt auch.

Aber warum erzählen wir das eigentlich? Weil die Sonne scheint, weil der Sommer zurückgekehrt ist, weil der Wirbelsturm „Frances“ über Florida rast und nicht über uns, weil heute der Tag ist, an dem wir die Klimakatastrophe begrüßen. Dass sie kommt, ist ausgemachte Sache. Dass sie uns verschont, ist sehr wahrscheinlich und sehr erfreulich. Dass „Frances“ sich Florida aussucht, hat wahrscheinlich mit der letzten Präsidentenwahl zu tun, wäre dann aber schon eine sehr harte Strafe.

Hier aber, zwischen GarmischPartenkirchen und Kap Arkona, werden schon bald toskanische Verhältnisse herrschen. Na gut, am Kap Arkona nicht, Kap Arkona wird werden wie Brixen und die Menschen dort blaue Schürzen tragen wie alle in Südtirol. Ach, es wird herrlich: Bei Paderborn werden wir einen Chianti wachsen lassen, von dem die Welt singt. Der berühmte Kasseler Schinken wird den aus Parma vergessen machen, die Nudeln aus Neheim-Hüsten uns das Leben erleichtern. Pech für die Griechen, die dann ihr Öl selber trinken müssen, weil auf den sanften Hügeln des Hunsrücks und zwischen den Felsen des Elbsandsteingebirges die herrlichsten Olivenbäume reiche Ernte schenken.

Singen werden wir vom schönen Leben, von schönen Frauen, von der Liebe. Und die Sandale mit Socke an kurzbehostem Männerbein, die heute noch das Auge martert, wird dann vergessen sein. Und wir werden sein wie die Italiener. (Wir müssten uns allerdings bis dahin überlegen, was wir mit Berlusconi machen).

Wie alle schönen Aussichten, hat auch diese Zukunft einen Haken. Wenn wir werden wie die Italiener, spielen wir natürlich auch so Fußball. Mit viel Gel im Haar, was Felix Magath, der Trainer von Bayern München, jetzt schon moniert hat. Wir spielen dann sehr feige und sehr ängstlich und trauen uns nie über die Mittellinie. Wir werden dann überall erzählen, dass wir die Besten und Schönsten und Größten sind. Nur nicht mehr gewinnen. Aber daran sind wir ja schon gewöhnt. Das nehmen wir mal so hin. Aber immerhin dürften wir dann heute Fußball spielen.uem

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