Politik : ...wir www.fjs.de aufrufen

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Duell, ach je. Irgendwas hat gefehlt in diesem wohlerzogenen Meinungsaustausch, eine Prise Wahnsinn, Unvorhersehbares, Unsägliches. Deshalb ist es nahe liegend, ach was: zwingend, am heutigen Dienstag auf das Datum zu achten: den 6.September. Ja, Carsten Spengemann wird 33, ja, es jährt sich zum zweiten Mal der Wutausbruch Rudi Völlers nach dem IslandSpiel („Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören!“) – aber hier geht es um Höheres, um FJS.

Den jüngeren Lesern sei an dieser Stelle gesagt, dass der Taufpate des Münchner Flughafens, mit vollem Namen Franz Josef Strauß, weniger als Flugpionier denn als Politiker von sich reden machte. Heute wäre er 90 Jahre alt geworden, und der aktuelle Wahlkampf wäre lustiger, wenn er sich bisweilen kommentierend zu Wort melden würde. Die Hanns-Seidel-Stiftung hat ihm zu Ehren immerhin gerade unter der Adresse www.fjs.de eine angemessen devote Website aufgebaut. Oben ein Foto, Strauß frisch gescheitelt vor einem Regal mit einem Buch in der Hand, und unter dem Mauszeiger erscheint flugs die Erklärung: „Franz Josef Strauß vor einem Bücherregal mit einem Buch in der Hand.“

Leider, Leute: Chatten geht nicht. Der größte bayerische Weltpolitiker aller Zeiten ist tot und lässt aus dem Jenseits nichts von sich hören, soweit wir wissen. Aber er hat das Notwendige, Irrwitzige und Durchgedrehte zu Lebzeiten in solchen Mengen produziert, dass es gut noch für die Zeit seiner Abwesenheit reicht: „Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus. Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft.“

Der schnaufende Virtuose humanistischer Bildungshuberei („Pacta sunt servanda“), der unermüdliche Sozialistenfresser („Irren ist menschlich, aber immer Irren ist sozialdemokratisch“), der genialische Sentenzenschmied („Die FDP? Ein Schwanz, der gleichzeitig mit zwei Hunden wedelt“) – all diese Gestalten verdichten sich im Rückblick zu einer ideellen Gesamtperson, die … Ach, schauen wir uns nur, ähm, diesen Edmund, äh, Stoiber an, wird der Unterschied deutlich. Einer, der immer erst einen Schluck Kräutertee nimmt, bevor er ein Lospoltern ernsthaft in Erwägung zieht, muss gegen ein solches Vorbild zwangsläufig ein wenig verblassen.

Hier wäre noch was Erratisches von der Website: „Ich fahre gern Auto, vor allem Alpenpässe. Vielleicht können Tiefenpsychologen daraus Schlüsse ziehen.“ Es fehlen heute, so könnte man sagen, ein paar Politiker, aus denen Tiefenpsychologen etwas schließen mögen. bm

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