Politik : 10 000 gegen Neonazis

In Leipzig ist zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres ein von Neonazis geplanter Marsch zum Völkerschlachtdenkmal gescheitert. Nachdem die rund 1000 Rechtsextremisten am Samstag nach stundenlangen Polizeikontrollen keinen Meter vorangekommen waren, erklärte der Organisator, der Hamburger Neonazi Christian Worch, die Veranstaltung vorzeitig für beendet. Rund 10 000 Menschen hatten vorher friedlich gegen die Neonazis protestiert. Zu gewaltsamen Ausschreitungen wie bei zwei Aufmärschen in Leipzig im vergangenen Herbst kam es nicht. Lediglich kurz vor Ende der Veranstaltung gerieten nach Polizeiangaben im Bahnhof Rechtsextremisten und Gegendemonstranten aneinander. In der City warfen Linksautonome mehrere Schaufensterscheiben ein; dabei gab es mehrere Festnahmen. In die Messestadt waren Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet gereist, insgesamt aber 300 weniger als erwartet. Die Polizei hatte rund 4000 Beamte im Einsatz.

Mit einem Friedensgebet und Gesängen in der überfüllten Nikolaikirche - während der Wende 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen - hatten am Vormittag die Bürgerproteste begonnen. Nikolaikirchpfarrer Christian Führer sagte während der Andacht vor gut 1000 Menschen: "Wir dürfen nicht wegsehen, nicht vorübergehen und nicht schweigen." Er forderte die Versammelten auf, so wie 1989 aus der Kirche die Gewaltlosigkeit auf die Straße zu tragen. Daran schloss sich der Protestmarsch durch die Innenstadt zum Bahnhof an.

Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte später auf der Kundgebung: "Wir sind das Volk, das gewaltlos und friedfertig diese Welt verändern wird." Er nahm damit Bezug auf das von den Neonazis für ihren Aufmarsch verwendete Motto "Gegen Repression und für Demonstrationsfreiheit, wir sind das Volk!" Bereits am Donnerstag hatte Tiefensee knapp 16 000 Unterschriften gegen den rechten Aufmarsch entgegengenommen.

An dem Protest gegen die Neonazis beteiligten sich auch Delegierte des in Leipzig tagendenden Bundeskongresses der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale. Mit Tröten und Konfetti hatten Gegendemonstranten unter dem Motto "Leipzig lacht über den Karneval in Braun" den Neonazi-Aufmarsch lächerlich gemacht. Der Abwurf von zwei Zentnern Konfetti aus einem Hubschrauber wurde von der Polizei allerdings aus Sicherheitsgründen untersagt.

Unterdessen meldete Worch fünf weitere Aufmärsche für Sommer und Herbst in Leipzig an. Tiefensee kündigte an, es werde geprüft, ob diese Veranstaltungen verhindert werden können. Leipzig war in den vergangenen Jahren immer wieder Aufmarschort der Neonazis.

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