Politik : 10 000 Kerzen gegen braune Parolen

Dresdner Bürger wollen das Gedenken an die Zerstörung der Stadt 1945 nicht den Rechten überlassen

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In Dresden wächst der Widerstand gegen den geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten am Sonntag in einer Woche. „Wir werden nicht zulassen, dass die Neonazis den Tag instrumentalisieren“, sagte FrauenkirchenPfarrer Stephan Fritz am Freitag in Dresden. Am 13. Februar vor 60 Jahren war Dresden bei Luftangriffen der Alliierten schwer zerstört worden. Rund 35 000 Menschen kamen Schätzungen zufolge ums Leben.

Fritz gehört zu den Mitinitiatoren eines Aufrufs „Ein Rahmen für das Erinnern“. Das Bürgerbündnis, dem Vertreter aus allen gesellschaftlichen Gruppen angehören, will nicht schweigend hinnehmen, dass die NPD diesen Tag für ihre Zwecke nutzen will. Die Rechtsaußenpartei hatte vor kurzem im Landtag vom „Bomben-Holocaust“ der Alliierten in Dresden gesprochen.

In dem Aufruf, der bereits von mehr als hundert Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterzeichnet wurde, rufen die Verfasser zur Gegenwehr gegen die Instrumentalisierung der Opfer zum Aufrechnen von Schuld und gegen den Missbrauch des Gedenkens auf. Erinnert wird zugleich ausdrücklich an die Vorgeschichte der Zerstörung Dresdens, an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und daran, dass der mörderische Krieg von Deutschland ausging.

Zu den ersten Unterstützern zählt Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg. „Gerade mit Blick auf die Jugend dürfen wir heute das Feld nicht den rechten Geschichtsverdrehern und -leugnern überlassen“, betonte er. Zugleich rief er die Bürger auf, den Rechten nicht das Feld zu überlassen. Auch Sachsens Regierungschef Georg Milbradt (CDU), der an den offiziellen Gedenkveranstaltungen teilnehmen wird, forderte einen Aufstand der Anständigen.

Geplant sind zahlreiche Aktionen mit Symbolwert. So sollen die Dresdner als Zeichen des stummen Protests gegen die Rechtsextremen eine weiße Rose aus Kunststoff tragen. Bereits seit Jahren stellen die Dresdner alljährlich am späten Abend Kerzen an der Frauenkirche auf, die komplett zerstört worden war und mit internationaler Hilfe wiederaufgebaut wird. „Damit trauern die Dresdner um die Toten“, sagte Pfarrer Fritz. „Die Kerze ist aber auch ein Zeichen des Friedens.“ Bereits am frühen Abend sollen „10 000 Kerzen für Dresden“ auf dem Platz vor der Semperoper leuchten und – von oben betrachtet – das Bild einer großen Kerze ergeben. Die Aktion, die der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge angestoßen hat, soll ein weiteres Gegengewicht zum Aufmarsch der Rechten sein.

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