Politik : 10 Jahre Einigungsvertrag: Irgendwann gegen 2 Uhr in Bonn

Carsten Germis

Zehn Jahre sind nun bald seit der Vereinigung vergangen. Auf den Tag genau zehn Jahre war es am Donnerstag her, dass der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR paraphiert wurde. "Das geschah in den frühen Morgenstunden, irgendwann gegen 2.00 Uhr in Bonn", erinnerte sich Wolfgang Schäuble. Und "am selben Tag wurde er auch schon um die Mittagszeit im Kronprinzenpalais in Berlin unterzeichnet." Dazwischen lagen noch die notwendigen Kabinettssitzungen in Bonn und Berlin. "So atemberaubend schnell ging das damals."

Der 31. August 1990 war der Tag Wolfgang Schäubles und Günther Krauses. Schäuble, damals Innenminister der Regierung Helmut Kohls, unterzeichnete den Vertrag für die Bundesrepublik, Krause für die DDR. Deswegen feierte die CDU Schäuble am Donnerstagabend auch in ihrer neuen Bundesgeschäftsstelle in ihrer ersten Gedenkveranstaltung - getrennt vom früheren Parteichef Helmut Kohl, für den CDU-Chefin Angela Merkel am 1. Oktober eine weitere Gedenkveranstaltung eröffnen wird.

Am Donnerstag würdigte Merkel die Verdienste Schäubles jedenfalls ausdrücklich: "Als Architekten der deutschen Einheit begrüßen wir ihn ganz herzlich." Damit steht Schäuble neben Kohl, dem "Kanzler der Einheit". "Wir sind stolz auf diese Leistung", sagte Angela Merkel, während der so Gelobte fast ein wenig verlegen nach unten schaut. Schäuble wehrte sich nochmals gegen den 1989 und 1990 vor allem aus der SPD gemachten Vorwurf, die Einheit sei zu schnell gekommen: "Es hat zum schnellen Wandel keine Alternative gegeben." Auch den Vorwurf, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe mit seinem Versprechen von den "blühenden Landschaften" zu große Zuversicht geschürt, wies er zurück. "Den Deutschen stand 1990 nicht der Sinn nach Blut, Schweiß und Tränen", erinnerte er.

Am 1. Oktober, wenn die CDU Helmut Kohl auf einer eigenen Veranstaltung ehrt, werde er "natürlich dabei sein", kündigte Schäuble an. Obwohl sein Verhältnis zum Altbundeskanzler mehr als zerrüttet ist, gesteht er Kohl seine große historische Leistung zu. "Für mich ist er der Kanzler der deutschen Einheit", meinte er mit entspanntem Lächeln: "Das ist, was er ist, was er war und was er bleibt." Davon will trotz aller Verbitterung auch Schäuble nicht lassen, denn "die Geschichte darf auch nicht verfälscht werden". Und der CDU-Spendenskandal, der ihn sein Amt und seine politische Karriere gekostet hat und Helmut Kohls Ansehen ramponiert hat? Das eine, die deutsche Einheit, sei die Weltgeschichte. Die bleibe. "Das andere ist eine periphäre Affäre", meinte Schäuble.

Vor allem von den Sozialdemokraten wollen sich Merkel und Schäuble die Verdienste Kohls um die Einheit nicht streitig machen lassen. "Zwischen Desinteresse, Ablehnung und Ignoranz" habe die Einstellung des SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine und des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder damals gelegen, sagte die CDU-Vorsitzende. Wenn SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sich heute hinstelle und sage, die Einheit wäre so oder so gekommen, sei das einfach nicht richtig.

Ein Christdemokrat, der vor zehn Jahren eine wichtige Rolle spielte, war am Donnerstag nicht dabei: Günther Krause. Seine Bilanz fiel nicht ganz so positiv aus. "So wie ich das bewerte, sind rund 40 Prozent des Vertrags bis heute nicht umgesetzt", sagte er der ARD, "und das ist das eigentliche Problem."

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