Politik : 100 000 trauern um Opfer von Erfurt

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Auf die Stunde genau eine Woche nach dem Massaker begann die Trauerfeier in Erfurt. Neben Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) war fast das gesamte Kabinett erschienen. Bundespräsident Rau mahnte: „Wir müssen einander achten, und wir müssen aufeinander achten.“ Ausdrücklich erwähnte er die Familie des Attentäters: „Ich möchte Ihnen sagen: Was immer ein Mensch getan hat, er bleibt ein Mensch.“

Als Konsequenz aus dem Amoklauf sind sich die Innenminister der Länder nun offenbar über eine Verschärfung des Waffengesetzes einig. Der Amokläufer Robert Steinhäuser hatte legal eine so genannte Pumpgun besessen, allerdings nicht mit ihr geschossen. Nach Angaben der „Thüringer Allgemeinen“ konnte er die Waffe wegen einer Ladehemmung nicht benutzen.

Ebenfalls als Reaktion auf die Bluttat hatte Bundeskanzler Schröder am Donnerstagabend mit den Chefs der deutschen Fernsehsender einen Runden Tisch zum Thema Gewalt in den Medien verabredet. ZDF-Intendant Markus Schächter will sich „den Schuh der Gewalt-Verbreitung durch Fernsehsender“ aber nicht anziehen, sagte er dem Tagesspiegel. In einem „offenen Brief an die Bevölkerung“ schrieb Bundeskanzler Gerhard Schröder, er glaube, dass der Amoklauf „den Umgang der ganzen Gesellschaft mit gewaltdarstellenden Medien aller Art grundsätzlich ändern könnte“.

Die Kultusminister wollen spezielle Lösungen für die Abiturienten des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums bundesweit anerkennen. Das vereinbarten sie am Freitag. Die 80 Schüler müssen nicht noch einmal in eine Prüfung. „Das ist die klare Botschaft. Es kann nicht sein, dass die Abiturienten durch diese Wahnsinnstat Nachteile haben“, sagte der Sprecher des Erfurter Wissenschaftsministeriums, Stephan Schorn. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU), sagte dem Tagesspiegel, Schüler müssten besser betreut werden. So könnten etwa Sozialarbeiter in die Nachmittagsbetreuung an Schulen einbezogen werden. Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) sagte dem Tagesspiegel, dass Eltern von den Schulen nicht mehr über die schulische Entwicklung ihres Kindes informiert würden, sobald diese 18 Jahre alt seien, erscheine ihr problematisch.

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