100 Jahre nach Eintritt in Ersten Weltkrieg : Beendet Trump das amerikanische Zeitalter?

Vor 100 Jahren griffen die USA in den Ersten Weltkrieg ein. Lösen sie sich jetzt von der Rolle des Weltpolizisten - und wer kommt nach ihnen? Eine Analyse.

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Weltführer: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping
Weltführer: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi JinpingFoto: AFP/Nicolas Asfouri

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg am 6. April 1917 begann ein amerikanisches Zeitalter. 100 Jahre später schwebt über jedem Treffen eines US-Präsidenten mit seinem chinesischen Kollegen die Frage, wie lange die Weltmacht USA ihre Dominanz behaupten kann. Und ob nicht demnächst ein chinesisches Zeitalter anfängt. Das gilt besonders für Xi Jinpings Besuch bei Donald Trump.

Nicht nur die Zuspitzung des Konflikts um Nordkoreas Atomraketenprogramm stellt China und die USA vor die Frage, was sie unter einer Weltmachtrolle verstehen. Bedeutet sie in erster Linie, eigene Interessen durchzusetzen? Beinhaltet sie auch die Verantwortung, Frieden und Stabilität zu garantieren? Oder vielleicht sogar noch mehr: der Erde einen Ordnungsrahmen vorzugeben, der auf einem Wertesystem basiert?

Die heutige Weltordnung ist das Ergebnis eines amerikanischen Jahrhunderts: die Vereinten Nationen mit ihren Unterorganisationen für Menschenrechte, Flüchtlinge, Ernährung, die Welthandelsorganisation WTO samt ihren Regeln, Bündnissysteme wie die Nato, ein Verbot der Weiterverbreitung von Atomwaffen samt internationaler Kontrolle durch die IAEO und vieles mehr. Ein so umfassendes globales Regelwerk gab es nie zuvor in der Geschichte.

Jetzt muss sich China entscheiden, was es will

Man mag kritisieren, es basiere auf westlichen Vorgaben, die USA und ihre Freunde hielten sich selbst nicht immer an diese Regeln und es hänge von den Interessen der Mächtigen ab, wann sie durchgesetzt würden. Aber im Großen und Ganzen bietet diese Ordnung mehr Vor- als Nachteile, weshalb fast alle Staaten ihr beigetreten sind. Der Nutzen zeigt sich selbst beim Brexit. Großbritannien fällt nicht ins Leere, wenn es sich mit der EU nicht über die Austrittsbedingungen einigt. Dann gelten eben die WTO-Regeln.

Das alles gehört zum unausgesprochenen Kontext, wenn Xi und Trump sich treffen. Benutzt China unfaire Handels- und Währungspraktiken, um Exportüberschüsse zu erzielen? Würde es, wenn es als Führungsmacht auf Augenhöhe in einer multipolaren Weltordnung neben die USA tritt, das bestehende Regelwerk verteidigen? Will China eine Ordnungsmacht sein, die sich nicht nur nach eigenen Interessen richtet, sondern Gesamtverantwortung übernimmt?

Auf Peking kommen nun ähnliche Richtungsentscheidungen zu, wie sie die USA vor hundert Jahren treffen mussten. Bis dahin hatte dort die „Monroe Doktrin“ gegolten. Die USA sollten sich aus europäischen Konflikten heraushalten und sich auf ihre wirtschaftliche Entwicklung und ihre Machtausdehnung auf dem amerikanischen Doppelkontinent konzentrieren. An Kriegen beteiligten sie sich nur, wenn das der Ausdehnung des Staatsgebiets diente, etwa gegen Mexiko, oder der Befreiung südlicher Nachbarn von der Kolonialherrschaft durch europäische Mächte, zum Beispiel Kuba.

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