"100 Jahre Naturschutz" : Merkel: Naturschutz ist kein Luxus

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Festakt "100 Jahre Naturschutz als Staatsaufgabe" neue Flächen in der Größenordnung von 125.000 Hektar für den Naturschutz in Aussicht gestellt.

Bonn - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine stärkere Beachtung des Naturschutzes in Deutschland ausgesprochen. Naturschutz sei kein Luxus und dürfe auch nicht als Widerspruch zur Wirtschaft verstanden werden, sagte Merkel beim Festakt «100 Jahre Naturschutz als Staatsaufgabe» am Dienstag in Bonn. Der natürliche Reichtum Deutschlands sei ein Schatz und müsse auch für künftige Generationen bewahrt werden.

Die «sehr bedenkenlose» Zersiedlung mit einem Flächenverbrauch von derzeit mehr als 100 Hektar pro Tag müsse gebremst werden, betonte Merkel. Auch der Rückgang der biologischen Vielfalt dürfe nicht in gleichem Tempo weitergehen, sondern müsse «deutlich verringert werden», sagte Merkel, die zwischen 1994 und 1998 unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) selbst Bundesumweltministerin war.

Der amtierende Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) sagte, der Staat stehe beim Naturschutz in einer Langzeitverantwortung. Ein Schwerpunkt seiner Naturschutzpolitik werde die Vorlage einer nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt sein.

Die Bundesregierung werde ihren Beitrag zum Erhalt des vielfältigen Naturerbes leisten, sagte Merkel. In Umsetzung einer Koalitionsvereinbarung würden bis zu 125.000 Hektar national bedeutsame Naturschutzflächen des Bundes langfristig für den Naturschutz zur Verfügung gestellt und unentgeltlich an die Länder oder an eine Bundesstiftung übertragen. «Das ist ein Geschenk in Höhe von etwa zehn Nationalparks, und ich finde, das kann sich sehen lassen.»

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) sowie zahlreiche Umweltverbände und Umweltstiftungen begrüßten diese Zusage. Das sei ein Meilenstein, sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Die Flächen müssten aber einer natürlichen Entwicklung überlassen werden und dürften keiner wirtschaftlichen Nutzung unterliegen. «Wir hören vermehrt Signale aus den Bundesländern, dass man großes Interesse an den Flächen habe, um sie dann im Zuge der normalen Land- und Forstwirtschaft weiter zu nutzen - das würde das großartige Geschenk des Bundes in das völlige Gegenteil verkehren», betonte Weinzierl. (tso/dpa)

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