100 Tage NSU-Prozess : Bernd Behnke: „Besonders hart war mein Besuch am Tatort"

Nebenklage-Anwalt Bernd Behnke erklärt in seinem Zwischenfazit, dass die Beweisuafnahme viele Fakten zeige, die sich allmählich zu einem Bild zusammenfügen.

von
Nebenklage-Anwalt Bernd Behnke. Foto: promo
Nebenklage-Anwalt Bernd Behnke.Foto: promo

Wie fühlen Sie sich nach bald 100 Tagen NSU-Prozess?

Ich fühle mich gut. Einschränkungen sind nicht erkennbar.

Wie ertragen Sie die Bilder der getöteten Opfer?

Die Bilder sind erschütternd, zu ertragen sind sie nur mit professioneller Distanz und mit der Gewissheit, dass die Taten aufgeklärt werden.

Welcher Verhandlungstag war für Sie der härteste?

Besonders hart war mein Besuch am Tatort in Rostock. Die Verhandlungstage in München verlaufen im Rahmen eines Prozesses normal, die zur Verhandlung stehenden Taten sind schwere Verbrechen. Einen  besonderen Verhandlungstag kann ich nicht benennen.   

Im Prozess wird ab und zu auch gelacht. Stört Sie das oder lachen Sie mit?

Ich lache nicht mit. Es gibt Situationskomik, der sich Beteiligte möglicherweise nicht entziehen können.

Hat die Hauptverhandlung Ihr Leben und das Ihrer Angehörigen verändert?

Nein, es fordert mich persönlich heraus, den Stoff auch wissenschaftlich zu verarbeiten.

Was hat die Beweisaufnahme bislang gebracht? Wo steht der Prozess?

Die Beweisaufnahme zeigt viele Fakten, die sich zu einem Bild fügen. Für die Außenstehenden ist dies oft nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar. Ich sehe das Bild aber deutlich wachsen.

Haben Sie den Eindruck, der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ist der Dimension des Verfahrens gewachsen?

Ja, aber der Senat offensichtlich auch. Die Verhandlungslinien sind ein kollegiales Konstrukt.

Halten Sie es beim jetzigen Stand der Hauptverhandlung für wahrscheinlich, dass Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten verurteilt werden?

Ja, mit  unterschiedlichen  Ergebnissen.

Welche Lehren ziehen Sie für sich und Ihre Arbeit aus dem Prozess?

Ich werde etwas zur Technik der Fragestellung  in einem Strafprozess erarbeiten und gegebenenfalls veröffentlichen.

Haben Sie noch Kraft für weitere 100 Tage?

Unbedingt ja, ich wurde 1988 für die Integrationsarbeit  zugunsten ausländischer Mitbürger im Zusammenhang mit dieser Arbeit für eine große deutsche Jugendorganisation, die Deutsche Sportjugend, mit dem Bundesverdienstkreuz  ausgezeichnet. Dies ist fast ein Markenzeichen für mein soziales Engagement. Das Engagement  im Prozess ist für mich auch als Demokrat und aus meinem  Berufsethos verpflichtend. Die Interessen der Opfer vertreten zu dürfen, wiegt die damit verbundene Belastung auf.

Bernd Behnke ist Rechtsanwalt in Löffingen (Baden-Württemberg) und Honorarprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Behnke vertritt im Prozess den Bruder des am 25. Februar 2004 in Rostock erschossenen Mehmet Turgut.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben