100 Tage NSU-Prozess : Gül Pinar: „Er ist ein großartiger Richter“

Nebenklage-Anwältin Gül Pinar hätte gerne zehn Assistenten. Trotz der Anstrengungen würde sie den Prozess noch 20 Jahre fortsetzen.

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Nebenklage-Anwältin Gül Pinar Foto: promo
Nebenklage-Anwältin Gül PinarFoto: promo

Wie fühlen Sie sich nach bald 100 Tagen NSU-Prozess?

Es ist natürlich sehr anstrengend und ich habe das Gefühl, meinen eigenen Ansprüchen nicht zu genügen.

Wie ertragen Sie die Bilder der getöteten Opfer?

Die Frage ist wahrscheinlich eher an diejenigen gerichtet, die nicht beruflich damit zu tun haben. Wir Strafrechtler sind solche Bilder gewohnt.

Welcher Verhandlungstag war für Sie der härteste?

Jeder, in denen wir Zeugen aus der rechten Szene vernehmen.

Im Prozess wird ab und zu auch gelacht. Stört Sie das oder lachen Sie mit?

Lachen ist ein Reflex.

Hat die Hauptverhandlung Ihr Leben und das Ihrer Angehörigen verändert?

Ich habe seit Monaten kaum Freunde getroffen.

Was hat die Beweisaufnahme bislang gebracht? Wo steht der Prozess?

Die Beweisaufnahme hat gezeigt, dass der NSU viel mehr Helfer hatte, als die Anklage vorgibt. Ferner zeigt die Beweisaufnahme deutlich, dass die Bundesanwaltschaft bemüht ist, die wahre Struktur der NSU und der Helfer nicht öffentlich aufzuklären.

Die Unterstützungshandlungen der Angeklagten Ralf Wohlleben, André E., Holger G. und Carsten S. sind hinsichtlich der terroristischen Vereinigung deutlich. Das Besorgen der Waffe und damit die mögliche Beihilfe zur Tötung ist aufgeklärt.

Haben Sie den Eindruck, der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ist der Dimension des Verfahrens gewachsen?

Er ist ein großartiger Richter, der seinen Job hervorragend macht.

Halten Sie es beim jetzigen Stand der Hauptverhandlung für wahrscheinlich, dass Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten verurteilt werden?

Ja, mit absoluter Sicherheit.

Welche Lehren ziehen Sie für sich und Ihre Arbeit aus dem Prozess?

Ich brauche zehn Assistenten…

Haben Sie noch Kraft für weitere 100 Tage?

Ich gehe erst in 20 Jahren in Ruhestand!

Gül Pinar ist Rechtsanwältin in Hamburg. Sie vertritt eine Schwester des vom NSU am 27. Juni 2001 in Hamburg erschossenen türkischen Gemüsehändlers Süleyman Tasköprü.

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