Politik : 11. September: Atta hatte Atomkraftwerk im Visier

Der Hamburger Todespilot Mohammed Atta war nach Erkenntnissen der US-Untersuchungskommission zu den Terrorattacken vom 11. September 2001 der entscheidende Mann in der Endplanung der Angriffe. Dabei dachte Atta offenbar auch über einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk bei New York nach.

Hamburg (09.03.2005, 13:14 Uhr) - Atta habe von Terroristenchef Osama bin Laden persönlich erheblichen Ermessensspielraum in taktischen Fragen und der zeitlichen Planung der Anschläge bekommen, sagte der Zeuge Dietrich Snell am Mittwoch vor dem Hamburger Oberlandesgericht. Snell ist Mitglied der «9/11-Kommission».

Der US-Staatsanwalt berief sich dabei auf Berichte über Aussagen der mutmaßlichen Chefplaner der Anschläge, Ramzi Binalshibh und Chalid Scheich Mohammed, die die USA an einem geheimen Ort inhaftiert halten. Die «9/11-Kommission» hatte allerdings nie direkten Kontakt zu den beiden, die als Schlüsselzeugen für den Hamburger Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq gelten.

Atta habe sich für das World Trade Center (WTC) als wirtschaftliches Ziel, das Capitol in Washington als politisches Symbol sowie das US-Verteidigungsministerium Pentagon als militärisches Ziel entschieden, sagte Snell. Nach Erkenntnissen der «9/11-Kommission» hatte der Ägypter, der selber ein Flugzeug in den Nordturm des WTC gesteuert hatte, kurzfristig auch über einen Angriff auf ein Atomkraftwerk in der Nähe New Yorks nachgedacht. Doch hätten ihn die anderen Todespiloten mit dem Hinweis auf den stark gesicherten Luftraum rund um ein Atomkraftwerk von der Idee abgebracht. Atta habe diesen Vorschlag auch nie Osama bin Laden unterbreitet.

Atta war nach Ansicht der Bundesanwaltschaft der Kopf der «Hamburger Terrorzelle», zu der weitere Todespiloten sowie auch der Angeklagte Mounir El Motassadeq zählen sollen. Der wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung angeklagte Motassadeq war 2003 in einem ersten Prozess vom Hanseatischen Oberlandesgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aber aufgehoben. (tso) ()

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