Politik : 12 000 Seiten über den 11. September

Christoph von Marschall

Washington - Fast vier Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat die Stadt New York den Großteil der Unterlagen ihrer Feuerwehr mitsamt vielen Telefongesprächen und dem Funkverkehr am Freitag offiziell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter sind 12000 Seiten Augenzeugenberichte, die der damalige Feuerwehrkommandant Thomas von Essen seit Oktober 2001 gesammelt hatte, „damit die tatsächlichen Geschehnisse bewahrt und nicht im kollektiven Gedächtnis verändert werden“. Bei ihrem Einsatz in den Zwillingstürmen waren 343 Feuerwehrleute ums Leben gekommen.

Mit der Veröffentlichung geht ein langer Rechtsstreit zwischen der Stadt, die auf Vertraulichkeit gepocht hatte, sowie der „New York Times“ und Angehörigen zu Ende, die auf Zugang zu den Dokumenten geklagt hatten. Die Stadt hatte argumentiert, eine Veröffentlichung verstoße gegen die Persönlichkeitsrechte der Toten und drohe, die Angehörigen erneut emotional zu belasten. Das Gericht hat am Ende nur einen kleineren Teil der Unterlagen und Tonprotokolle als vertraulich eingestuft. Zuvor hatten bereits die Verteidiger eines Terrorverdächtigen erfolgreich auf Einsicht geklagt. Die „New York Times“ hatte einen Teil der Dokumente, die sie unter der Hand bekam, veröffentlicht und Pannen bei den Einsätzen belegt, ohne die es weniger Tote gegeben hätte.

Viele Details der Berichte, aber auch die Reaktionen der Angehörigen sind bewegend. Sally Regenhard hofft, dass sie nun endlich etwas über das Schicksal ihres Sohnes erfährt. „Er ist seit jenem Tag vermisst – mit der gesamten Mannschaft seines Wagens. Und ich kenne nicht das kleinste Detail.“

Die Feuerwehrleute erhielten keine Warnung, dass der Einsturz der beiden Türme drohte. Oft entschied ein kleiner Schritt über Leben oder Tod. Einer der Männer unten im World Trade Center musste die Toilette im benachbarten Hotel aufsuchen. In diesen Minuten begruben die einstürzenden Trümmer seine Kollegen.

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