Politik : 12 Millionen Euro für einen Zaun in Heiligendamm

Andreas Frost

Heiligendamm - Dietmar Plutat fühlt sich „überhaupt nicht eingeengt“. „Das bisschen Kontrolle werden wir auch überstehen“, sagte der Heiligendammer, der am Montag zur Baustelle für den Sicherheitszaun gleich hinter dem Ostsee-Deich kam. Angesichts „der angekündigten Randale“ sei der Zaun zum Schutz des G-8-Gipfels notwendig und sinnvoll, und jeder Vergleich mit innerdeutschen Grenzanlagen „vollkommen absurd“. Bis April wird im gezackten Halbkreis rund zwei Kilometer entfernt vom Gipfel-Hotel ein 2,50 Meter hoher Gitterzaun hochgezogen. Doch die rund 200 Einwohner des ältesten deutschen Ostseebades nehmen die kommenden Einschränkungen offenbar gelassen hin.

Rentner Helmut Schirrmann zum Beispiel will zwischen dem 6. und dem 8. Juni „halt drei Tage lang woanders langradeln“, bei seinen allmorgendlichen Fahrradtouren auf der Promenade. Kurzurlauber Frank Schneider aus Warin bei Schwerin hält den Zaun zwar für „zu teuer und zu groß“. Aber grundsätzlich hat auch er Verständnis für die Sicherheitsanlage. Gekrönt wird sie mit Nato-Stacheldraht, Matten im Erdreich sollen „das Untergraben“ verhindern, wie Polizeisprecher Axel Falkenberg sagt.

Über weitere Sicherheitsmaßnahmen schwieg sich Falkenberg aus, doch Kameras und Bewegungsmelder gelten als wahrscheinlich. Schließlich ist für den Gipfel Sicherheitsstufe eins angesagt. Zwölf Millionen Euro sind für den Zaun mit allem Zubehör veranschlagt. Bereits ab Ende Mai, wenn der Gipfel noch gar nicht begonnen hat, werden die Bewohner Heiligendamms, Bedienstete des Hotels und Lieferanten nur mit Ausweiskarte durch eine der beiden Sicherheitsschleusen auf den Zufahrtsstraßen kommen. Privat-Pkw müssen dann auf Parkplätzen außerhalb des Ortes abgestellt werden, Shuttle-Busse die Einwohner befördern.

Die Polizei will sich nicht nur gegen Terroranschläge wappnen, sondern auch gegen 100 000 Demonstranten, die die G-8-Protestbewegung auf die Beine bringen will. Manche von ihnen werden sich kaum nach Rostock abdrängen lassen. Der Zaun sperre die Demokratie aus, kritisierte Monty Schädel, der in Rostock die Proteste mit vorbereitet. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter war er zur Baustelle gekommen und wurde prompt von der Polizei kontrolliert. Dieter, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte, fand besonders die Kosten des Zaunes beeindruckend. Ob er auch wirklich alle Gegendemonstranten abhalten könne, „will ich nicht sagen“. Gebaut wird der Zaun von einem mittelständischen Betrieb aus der Region. Nach dem Gipfel habe er sechs Wochen Zeit, ihn wieder abzubauen, sagt Geschäftsführer Frank Neumann.

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