Politik : 15 Millionen verloren 1945 ihre Heimat - Vertriebenenbund bis heute aktiv

Nach dem Zweiten Weltkrieg gestanden die USA und Großbritannien auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam der Sowjetunion die Annexion Ostpolens zu. Polen gaben sie als Ausgleich die zuletzt deutschen Provinzen östlich von Oder und Neiße: Schlesien, Ostbrandenburg, Ostpommern und Ostpreußen. Die acht Millionen Einwohner sollten "in geordneter und humaner Weise" nach Westen geführt werden. Historiker sprechen jedoch von der größten Vertreibung der Geschichte. Für den Terror, mit dem Nazideutschland Osteuropa überzogen hatte, rächten sich die Opfer an der deutschen Bevölkerung: Von 16 Millionen wurden zwölf Millionen enteignet und aus ihrer Heimat vertrieben. Zwei Millionen kamen ums Leben. Zusätzlich wurden drei Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei und dem Siedlungsgebiet Sudetenland sowie Hunderttausende aus anderen osteuropäischen Ländern vertrieben.

1950 bekannten sich die Vertriebenenverbände in ihrer Charta zum Gewaltverzicht und forderten, das Recht auf Heimat als Menschenrecht anzuerkennen. Vertriebenenfunktionäre verursachten aber auch mit Schlagworten wie "Schlesien bleibt unser" für internationale Irritationen. In den ersten Jahrzehnten waren die Vertriebenen von den großen Parteien CDU/CSU und SPD als Wähler stark umworben. Heute zählt der Bund der Vertriebenen (BdV) 21 Landsmannschaften mit noch zwei Millionen Mitgliedern. Er hilft bei der Eingliederung der Aussiedler, unterstützt den Erhalt der deutschen Kulturen in Osteuropa und fordert zweisprachige Schulen, Rückkehrmöglichkeiten in die alte Heimat sowie kulturelle Volksgruppenrechte.

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