Politik : 15 rote Hüte – einer kriegt keinen

Paul Kreiner

Rom - Fast genau ein Jahr nach der Amtseinführung von Benedikt XVI. präsentiert sich die Spitze der katholischen Kirche mit einer großen Zeremonie auf dem Petersplatz: An diesem Freitag und Samstag werden die neuen Kardinäle ernannt – die Aufnahme von diesmal 15 Würdenträgern in den engsten Beraterkreis des Papstes. Benedikt XVI. hat dieses „Kollegium“, das dann 193 Männer im Alter von 53 bis 96 Jahren umfasst, als „Senat“ seiner Kirche definiert und – mit einem alten katholischen Rechtssatz – als „Teil unseres Leibes“ beschrieben.

Mehrere Ernennungen waren praktisch Pflicht: So bekommen der Slowene Franc Rode, im Vatikan Chef der Ordenskongregation, sowie der Italiener Agostino Vallini, oberster Berufungsrichter in der Kurie, den Kardinalspurpur. Vor allem aber erhält ihn der Amerikaner William Joseph Levada, der Leiter der Glaubenskongregation. Die anderen roten Hüte und Kardinalsringe verteilt Benedikt XVI. gleichmäßig über die Welt – etwa nach Spanien, Venezuela, Südkorea und auf die Philippinen. Die Ernennung des Bischofs von Hongkong, Joseph Zen Ze-Kiun, zum Kardinal ist das einzig politische Signal Benedikts XVI. Der Vatikan und die Volksrepublik China unterhalten keine politischen Beziehungen, die papsttreuen Katholiken leben im Untergrund.

Stärker als alle Ernennungen fällt eine Nichternennung auf: Erzbischof Michael Fitzgerald, in der Kurie bisher zuständig für den „Dialog mit den nichtchristlichen Religionen“, wurde im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Der Papst hat den Engländer zum Nuntius (Vatikanbotschafter) in Kairo degradiert – ein außergewöhnlicher, bisher nicht begründeter Vorgang. Damit haben andere Religionen, nicht zuletzt der Islam, im Vatikan keinen direkten Ansprechpartner mehr.

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