Politik : 15 Todesfälle in der Charité werden geprüft

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Berlin - Nach dem zweifachen Mordverdacht gegen eine Krankenschwester an der Berliner Charité sollen weitere Todesfälle im größten Universitätsklinikum Europas überprüft werden. Dazu werden die Akten von 15 verstorbenen Patienten aus den vergangenen zwei Jahren an die Staatsanwaltschaft übergeben, sagte der Direktor des Zentrums für Innere Medizin, Gert Baumann. Am Vortag war Haftbefehl gegen die 54-jährige Krankenschwester erlassen worden. Irene B. wird vorgeworfen, auf der kardiologischen Intensivstation Mitte August bis Anfang Oktober zwei schwer kranken Patienten im Alter von 77 und 62 Jahren eine Medikamenten-Überdosis gegeben zu haben, an der beide starben.

Bei der von der Charité geschalteten Hotline meldeten sich bis Freitagnachmittag 25 Anrufer, zwölf davon seien Angehörige von Patienten gewesen, die auf der Station verstorben sind. Nun werde geprüft, ob Irene B. zum jeweiligen Todeszeitpunkt der Betroffenen Dienst hatte, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele.

Spekulationen gibt es zum Motiv der Krankenschwester: „Sie hat sich mittlerweile dazu geäußert. Wir werden aber nichts sagen“, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Bereits in der ersten Vernehmung hatte die 54-jährige Irene B. den Ablauf der Taten bestätigt. Nachbarn der Pflegerin beschreiben die Frau als herzlich und lieb. Ebenso war im privaten Umfeld von Irene B. zu hören, dass sie kürzlich miterlebt habe, wie die Schwester einer Freundin qualvoll an einer schweren Krankheit starb. Möglicherweise sei das ein auslösender Moment gewesen. Ob die Patienten noch bei Bewusstsein waren und einen Todeswunsch äußern konnten, wollte die Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Nach Justizangaben werden die Leichname der beiden Patienten weiter untersucht. Wann Ergebnisse vorlägen, sei nicht absehbar.tabu

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