• 1500 Islam-Gegner protestieren in Leipzig: "Legida"-Demonstration deutlich kleiner als erwartet - Brandanschläge und kleinere Ausschreitungen
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1500 Islam-Gegner protestieren in Leipzig : "Legida"-Demonstration deutlich kleiner als erwartet - Brandanschläge und kleinere Ausschreitungen

Das Anti-Islam-Bündnis Legida marschiert in Leipzig auf - und wieder ist die Stimmung in der Stadt angespannt. Von den angemeldeten 15 000 bis 20 000 Legida-Anhängern ist allerdings nicht viel zu sehen.

Birgit Zimmermann und Gitta Keil, dpa
Proteste gegen "Legida" hinter einer Absperrung durch die Polizei.
Proteste gegen "Legida" hinter einer Absperrung durch die Polizei.Foto: dpa

Wieder Brandanschläge, wieder Aggressionen, wieder ein massives Polizeiaufgebot: Der dritte Aufzug des Anti-Islam-Bündnisses Legida hat Leipzig am Freitagabend erneut auf eine harte Probe gestellt. Doch am Ende brachten die Islamkritiker weit weniger Sympathisanten auf die Straße als von ihnen erhofft. Die Stadt schätzte ihre Zahl auf 1500. Angemeldet hatte Legida 15 000 bis 20 000.

Der Leipziger Ableger des Pegida-Vereins gilt als deutlich radikaler als das Dresdner Vorbild. Und nachdem sich die Pegida-Führung zerstritten hat, waren die Befürchtungen groß, dass sich in Leipzig vor allem extrem rechtsgerichtete Pegida- und Legida-Anhänger sammeln könnten. Tatsächlich waren nach der Beobachtung von dpa-Reportern etliche Hooligans auf der Kundgebung vor der Leipziger Oper.
Die Legida-Menge jubelte, als ein Redner - vorgestellt als Manfred aus dem Mansfelder Land - den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) zitierte. Dieser hatte gesagt: „Der Islam gehört nicht zu Sachsen.“ „Und ich will, dass das so bleibt“, rief Manfred unter Applaus.

Auch zu den Gegenkundgebungen - insgesamt waren neun Nolegida-Veranstaltungen angemeldet worden - kamen weniger Menschen als in der vergangenen Woche. Die Stadt zählte rund 5000. Sie standen in Schneeschauern und im eiskalten Wind unter anderem bei der Kundgebung von „Leipzig Courage zeigen“.

Am Rande der Proteste gab es einzelne Rangeleien

Die Stadtverwaltung hatte sich auf zusammen rund 40 000 Menschen bei Legida und Nolegida eingestellt. Das Ordnungsamt hatte nur Kundgebungen ohne Demonstrationszüge erlaubt, die Gerichte bestätigten diese Einschränkungen als rechtmäßig. Die Polizei war mit 2000 Kräften im Einsatz, um die Veranstaltungen abzusichern.
Nach Polizeiangaben gab es am Rande der Proteste einzelne Rangeleien.

Die Polizei sei in der Nähe der Universität mit Farbbeuteln beworfen worden. Zudem gab es Blockaden an den Zugängen zur Legida-Demo. Die Einsatzkräfte räumten den Weg frei und nahmen die Personalien der Blockierer auf.


Und auch die Deutsche Bahn kämpfte wie schon in der Vorwoche mit Sachbeschädigungen. Unbekannte verübten Brandanschläge auf die Bahnstrecken Leipzig-Meißen und Leipzig-Chemnitz. Die Strecken wurden gesperrt. Es kam zu erheblichen Störungen im Zugverkehr, die noch bis zum Samstag andauern sollten. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verurteilte die Brandanschläge als „schwerstkriminell“.
Für Verzweiflung sorgte der Protesttag bei den Händlern in Leipzigs Innenstadt. Zahlreiche Läden machten lange vor Ladenschluss dicht.

"Eine Katastrophe für Leipzig"

Ricardo Agnoli, Geschäftsführer einer italienischen Eisdiele, sagte: „Das Ganze ist eine Katastrophe für Leipzig.“ Alle Händler in der Innenstadt schimpften und beklagten massive Umsatzeinbußen. Ihn hätten Freunde aus London und Südamerika angerufen und gefragt, was eigentlich in Leipzig los sei.

Der Geschäftsführer eines Uhren- und Schmuckgeschäfts sagte: „Meinungs- und Demonstrationsfreiheit sind schön und gut. Aber das muss doch im Rahmen bleiben.“ Alles wirke so gefährlich, allein schon wegen des großen Polizeiaufgebots. „Ich weiß nicht, ob so eine Stadt das auf Dauer verkraften kann.“

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