Politik : 17 Minuten diebische Freude

Koch spricht mit Bush – und erteilt Schröder außenpolitische Ratschläge

Christoph Schmidt Lunau[Wiesbaden]

Roland Koch, dem Unionspolitiker mit Ambitionen, war die Freude über seinen Coup anzusehen. Als nach einem langen Gespräch mit US-Vizepräsident Dick Cheney der Chef selbst vorbeigekommen sei, habe er zunächst an ein Abschiedsfoto gedacht, berichtete der USA-Heimkehrer am Freitag. Doch dann erörterte der mächtigste Mann der Welt 17 Minuten lang mit dem Gast aus Hessen die Zeitläufe.

Wieder zurück in Wiesbaden erzählte Koch genüsslich, was der US-Präsident alles von ihm habe wissen wollen: So habe Bush gefragt, weshalb die Deutschen dagegen waren, im Irak einen Massenmörder und Diktator zu beseitigen. Es sei ihm gelungen, zu erklären, weshalb die Deutschen kriegerische Mittel ablehnten – nämlich wegen ihrer eigenen Geschichte, wegen der Kriegserfahrung. Es sei aber nicht möglich gewesen, den Gesprächspartnern verständlich zu machen, weshalb sich Deutschland vor dem Irak-Krieg zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte auf die Seite Frankreichs gestellt habe – gegen den wichtigsten Bündnispartner USA, berichtet Koch. „Außerordentlich verletzend“ hätten die Deutschen auf diplomatischem Parkett operiert, ergänzt der Unionspolitiker und deutet an, der Kanzler habe dem US-Präsidenten wohl Zusagen gemacht, die nicht eingehalten worden seien. Bush sei auch persönlich verletzt.

Wenn zwar ein Vertreter der Bundestagsopposition mit dem US-Präsidenten rede, der Kanzler indes nicht, dann sei etwas nicht in Ordnung, stellte Koch schließlich fest und nährte die Hoffnung auf Besserung: Die außerordentliche Aufmerksamkeit für ihn beweise auch: „Die zurzeit etwas schwergängigen Türen sind offen!“

Der Ministerpräsident konnte sich auch einen Rat nicht verkneifen: Jetzt sei es an Schröder, die Voraussetzungen für ein „langes, vertrauensvolles“ Spitzengespräch zu schaffen und die Eiszeit zwischen ihm und dem US-Präsidenten zu beenden. Notfalls könne man nach Washington sogar per Handy telefonieren, berichtete der Amerika-Heimkehrer und fügte hinzu: „Die Nummern sind bekannt!“

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