20 Jahre danach : Die Helden des Tiananmen

20 Jahre sind vergangen, seit die chinesische Armee den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens ein blutiges Ende setzte. Was machen die Hauptakteure heute?

Sven Bischoff
20. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung in China - Wang Dan
Heute im Exil: Protest-Anführer Wang Dan. -Foto: dpa

Wang Dan.

Als Geschichtsstudent an der Universität Peking war Wang Dan maßgeblich an den Vorbereitungen des Aufstandes beteiligt. Auf der Liste der 21 meistgesuchten Anführer der Protestbewegung belegte er Platz eins und wurde nach den Unruhen für zwei Jahre inhaftiert. Wegen seiner wiederholten Forderungen nach einer Neubewertung der Geschehnisse von 1989 kam er erneut in Haft, wurde jedoch 1998 aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Er ging in die USA, wo er 2008 an der Harvard University in chinesischer Geschichte promovierte. Heute ist der 40-jährige Stipendiat in Oxford und setzt sich weiterhin für den demokratischen Fortschritt in China ein.

Wu’er Kaixi. Wegen seines Hungerstreiks unter ärztliche Aufsicht gestellt, flüchtete der Aktivist Wu’er Kaixi aus dem Krankenhaus, um an den Protesten teilnehmen zu können. Berühmtheit erlangte er, als er – immer noch in Krankenhausbekleidung – ein Fernsehinterview mit dem chinesischen Premierminister Li Peng unterbrach. Als Nummer zwei auf der Liste der meistgesuchten Rädelsführer flüchtete er in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst in Harvard studierte, bevor er in Kalifornien seinen Abschluss in Politikwissenschaften machte. Heute lebt Wu’er Kaixi, 41, als Investmentmanager in Taipeh.

Liu Xiaobo. Der prominente Regimekritiker und Literaturprofessor war an der Columbia University in New York, als der Aufstand begann. Er flog nach Peking, um die Studenten durch einen Hungerstreik zu unterstützen. Als Folge wurde Liu sein Lehrauftrag entzogen, Interviews wurden ihm verboten, und man verhaftete ihn in regelmäßigen Abständen. Zuletzt wurde er 2008 wegen seines Beitrags zur Charta 08 festgenommen, einem Dokument, in dem er und andere Bürgerrechtler zu mehr Demokratie und Freiheit in China aufrufen. Seitdem sitzt der 53-jährige in China in Haft.

Chai Ling. In ihrer Jugend noch Musterschülerin der Kommunistischen Jugendliga, begann Chai Ling sich während ihres Psychologiestudiums in Peking kritisch mit den Zuständen in China auseinanderzusetzen. Immer öfter traf man sie auf Demonstrationen, und auch auf dem Platz des Himmlischen Friedens gehörte sie zu den Akteuren der ersten Stunde. Nach der Niederschlagung flüchtete sie in die USA und absolvierte in Harvard ein Betriebswirtschaftsstudium. Heute, mit 43 Jahren, führt sie als Unternehmerin eine Softwarefirma in Boston, Massachusetts. svb

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