Politik : 200 000 Menschen beim Abschlussgottesdienst

Kardinal Lehmann erhofft sich vom ökumenischen Kirchentag Impuls für gesamte Stimmung in Deutschland / EKD-Präses Kock sieht Signal für mehr Gemeinschaft

Martin Gehlen

Berlin . Mit einem feierlichen Gottesdienst ist am Sonntagvormittag der erste Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in Berlin zu Ende gegangen. Bei strahlendem Wetter kamen rund 200 000 Gläubige auf den Platz vor dem Reichstag. In ihrer gemeinsamen Predigt nahmen die Oberhäupter der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock und Kardinal Karl Lehmann, das Kirchentags-Motto „Ihr sollt ein Segen sein“ auf und mahnten die Christen zu verantwortungsvollem Verhalten.

Lehmann erinnerte daran, dass die Menschen nicht die unumschränkten Herren dieser Welt seien, und forderte sie zum Teilen auf. „Dies ist aber nur möglich, wenn wir in der Verwaltung unserer Welt schonend und bewahrend mit unseren Schätzen umgehen.“ Dies gelte auch für den Umgang mit der Mangelware Arbeit und dem Verhältnis zu den Arbeitslosen. Die Erde sei von Gott auch den kommenden Generationen geschenkt. Deshalb gebe es kein Recht „zu einem egoistischen Abbau der natürlichen Ressourcen, zu einem räuberischen Verhalten auf Kosten kommender Generationen“, sagte Lehmann. Kock ging auf die fehlende Abendmahlsgemeinschaft der beiden Kirchen ein: „Wir empfinden das Leiden daran ja deshalb so stark, weil wir so nahe beieinander sind.“ Doch das gelungene Miteinander dieser Tage in Berlin habe gezeigt: Der Schmerz über das, was noch ausstehe, werde weit überboten „von der Freude über das, was uns verbindet.“ Im Mittelpunkt des Festgottesdienstes stand eine Wasserzeremonie, bei der aus einem zentralen Taufbrunnen Tonschalen mit Wasser herumgereicht wurden. Die Teilnehmer konnten sich damit bekreuzigen. Die Zeremonie sollte die Gläubigen beider Konfessionen an eine wichtige Gemeinsamkeit erinnern: die Taufe.

Der katholische Kirchentagspräsident Hans Joachim Meyer bezeichnete die Veranstaltung als „großen Schritt auf dem Weg der christlichen Ökumene“. Das in Berlin Gewachsene mache das Fundament der Gemeinsamkeit breiter und fester. „Was uns jetzt verbindet, kann niemand mehr zerreißen“, sagte Meyer während des Abschlussgottesdienstes.

Bereits zuvor hatten die Organisatoren eine positive Bilanz der Veranstaltung gezogen. Der Ökumenische Kirchentag kann nach Ansicht von Lehmann sogar einen positiven Impuls für die gesamte Stimmung in Deutschland bringen. Die zuversichtliche Grundstimmung sei genau das, was das Land brauche, um „aus einer Stimmung der Frustration und Resignation“ befreit zu werden, sagte er bei der Abschlusspressekonferenz. Kock nannte den Kirchentag einen Meilenstein in der bewegten Geschichte der Kirchen. Christen hätten ein positives Signal für mehr Gemeinschaft untereinander und für den Zusammenhalt der Gesellschaft gesetzt.

Der fünftägige Ökumenische Kirchentag war mit rund 200 000 Dauerteilnehmern die erste Veranstaltung dieser Art seit der Reformation. Zum Abschluss symbolisierten einige Hunderte Helfer mit ausgebreiteten weißen Tüchern noch einmal das grafische Symbol des ÖKT auf dem Reichstagsrasen.

Anschließend luden der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, und die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann zur Teilnahme am 95. Katholikentag 2004 in Ulm beziehungsweise zum 30. Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover ein.

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