Politik : 21 000 irakische Opfer

Ärzte schätzen Zahl der Toten seit Kriegsbeginn

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Berlin (M.G.). Der Krieg im Irak und die Besatzung durch die Alliierten haben mindestens 21 300 Iraker das Leben gekostet. Das geht aus einem am Dienstag in London veröffentlichten Bericht der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hervor. Demnach kamen seit Kriegsbeginn im März bis Ende Oktober zwischen 7800 und 9600 irakische Zivilisten ums Leben, schätzungsweise 20 000 wurden verletzt. Die Zahl der während der Kampfhandlungen getöteten Soldaten schätzt die Organisation auf 13 500 bis 45 000. Zwischen 40 000 und 135 000 sind nach diesen Schätzungen verletzt worden. „Die genauen Opferzahlen sind unmöglich zu berechnen, weil es im ganzen Lande keine verlässlichen Aufzeichnungen gibt“, sagte die Autorin der Studie, Sabya Farooq. Die Recherchearbeit sei außerdem durch die Unsicherheit im Lande erschwert worden. Die Studie stützt sich auf Angaben von UNOrganisationen, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), auf irakische und internationale Nichtregierungsorganisationen, lokale Ärzte sowie Medienberichte.

Die Zahl der Opfer erhöht sich nach diesem Bericht auch seit Kriegsende weiter. So seien zwischen April und Juli mehr als 1000 Kinder durch Blindgänger, Splitterbomben und andere Geschosse verletzt worden. Durch Streubomben wurden insgesamt 340 000 kleine Sprengsätze auf den Irak abgeworfen. Dazu kommen nach Expertenschätzungen 1000 bis 2000 Tonnen Uranmunition. Bis heute sei nicht geklärt, ob diese Munition für das Ansteigen der Krebsraten im Irak nach dem Irakkrieg von 1991 verantwortlich sei, erklärte die Organisation.

Weiter habe das IPPNW-Team eine spürbare Verschlechterung der Gesundheitslage im Irak festgestellt, hieß es. „Die Anzahl unterernährter Menschen hat sich seit 2002 von vier auf acht Prozent verdoppelt“, sagte Farooq. Laut der Studie wurden im Krieg sieben Prozent aller Krankenhäuser zerstört, 12 Prozent wurden geplündert.

Außerdem seien während der Kampfhandlungen die Kühlsysteme für Impfstoffe ausgefallen. Dadurch hätten 210 000 Neugeborene nicht gegen Pocken geimpft werden können. Auch die Verbreitung von Krankheiten durch verschmutztes Trinkwasser habe drastisch zugenommen. „Die gesundheitlichen Folgen des Irakkrieges werden die Menschen im Irak auf Jahre, wenn nicht Generationen verfolgen", erklärte Mike Rowson, Direktor der britischen IPPNW-Sektion.

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