Politik : 23 Tote bei Kämpfen in Kenia

Schriftsteller Ngugi wa Thiong’o: Keine ethnischen Säuberungen zulassen

Dagmar Dehmer

Berlin - Bei Kämpfen zwischen Anhängern der umstrittenen kenianischen Regierung und der Opposition sind am Sonntag mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Menschen starben in Mathare, einem Slum in Nairobi, als Gikuyu, zu denen Präsident Mwai Kibaki gehört, versuchten, Angehörige der Luo, zu denen Oppositionsführer Raila Odinga gehört, zu vertreiben. Im Rift Valley kämpften Angehöfige der Kalenjin und Kisii gegen Gikuyu. Sie waren mit Pfeil und Bogen sowie Pangas, einer Art Machete, bewaffnet. Dabei starben nach Angaben der Behörden 21 Menschen.

In den drei Protesttagen der Opposition in der vergangenen Woche kamen rund 30 Menschen ums Leben. In Kibera, dem größten Slum Nairobis, wurde in der Nacht zum Samstag ein 13-jähriges Mädchen erschossen, das sich vor der Polizei in einem Haus versteckt hatte.

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sagte dem „Standard“ am Samstagabend, Präsident Kibaki sei „persönlich sehr daran interessiert, Raila Odinga zu treffen, um den Frieden wiederherzustellen“. Seit der Bekanntgabe des von Wahlbeobachtern als zweifelhaft bezeichneten Wahlergebnisses hat es kein direktes Treffen gegeben. Am kommenden Dienstag wird der frühere UN-Generalsekreträr Kofi Annan für einen weiteren Vermittlungsversuch erwartet. Unterdessen haben Frauengruppen der unterschiedlichen politischen Lager in Kibera angekündigt, in der kommenden Woche gemeinsam einen Friedensmarsch zu veranstalten, berichtet die „Daily Nation“.

Der kenianische Schriftsteller Ngugi wa Thiong’o, der an einer kalifornischen Universität lehrt, ist über die ethnische Gewalt in seiner Heimat erschrocken. Ngugi hatte im Vorfeld der Wahl Präsident Kibaki unterstützt. Dem Tagesspiegel sagte er: „In den vergangenen fünf Jahren war Kibaki ein glaubwürdiger Präsident.“ Er hob vor allem seine Leistungen für die kenianische Wirtschaft hervor. Allerdings sehe auch er, dass es in Kibakis erster Amtszeit auch „Korruption und Unsicherheit“ gegeben habe. „Ich weiß nicht, wie die kommenden fünf Jahre werden. Aber wenn es keinen gemeinsamen Anlauf für eine neue transparente Auszählung der umstrittenen Wahl gibt, wird die zweite Amtszeit immer als unfair verstanden werden.“ Ngugi appellierte an die gemeinsame Verantwortung Kibakis und Odingas durch „ihre Millionen von Wählern und die gesamte Nation“. Ngugi bat die internationale Gemeinschaft, keine „ethnischen Säuberungen zuzulassen“.

Ngugi, Gukuyu wie Kibaki, war sowohl vom Gründungspräsidenten Jomo Kenyatta als auch von dessen Nachfolger Daniel arap Moi verfolgt worden. Übrigens war Kibaki zu der Zeit, als Ngugi im Gefängnis saß, Vizepräsident, schreibt der „Standard“. Er saß ohne Anklage im Gefängnis und verbrachte mehr als 20 Jahre im Exil. Als er und seine Frau 2004 nach Kenia zurückkehrten, wurden sie überfallen, Ngugi wurde schwer verletzt, seine Frau vergewaltigt. Deshalb kehrten sie schnell wieder in die USA zurück. In Kenia wurde seine Unterstützung für Kibaki im Vorfeld der Wahl lediglich als Stammesdenken verstanden.

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