25 Jahre Deutsche Einheit : Christa Bertag und Peter Zühlsdorff: Die Kosmetik-Connection

Die Schönheit ist ihr Geschäft: Christa Bertag war Leiterin des VEB Kosmetik-Kombinats Berlin, Peter Zühlsdorff, Wella-Vorstandmitglied, wollte das VEB Londa in Rothenkirchen kaufen. "Sehr angenehm" sei ihre nun 25-jährige Bekanntschaft, sagen beide.

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Christa Bertag (ehemalige Chefin VEB Berlin-Kosmetik) und Peter Zühlsdorff (ehemaliger Wella-Manager).
Christa Bertag (ehemalige Chefin VEB Berlin-Kosmetik) und Peter Zühlsdorff (ehemaliger Wella-Manager).Foto: Thilo Rückeis

Die fundiertere Qualifikation hat Christa Bertag. Nach dem Abitur in Halle Ausbildung zur Chemiefacharbeiterin in Bitterfeld, Abschluss des Studiums als Diplom- Chemikerin, Leiterin der Konsumgüterproduktion in Leuna und schließlich Generaldirektorin des VEB Kosmetik-Kombinat Berlin. Peter Zühlsdorff machte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre in Frankfurt am Main und wanderte dann durch den westdeutschen Kapitalismus: Klosterfrau, Woolworth, Tondeo (Friseurbedarf) und dann Wella. Zühlsdorff war Vorstandsmitglied des Darmstädter Kosmetikherstellers, und in dieser Funktion traf er Christa Bertag. „Er kam 1990 zu uns ins Kombinat, um sich mit uns auf Augenhöhe über die Kosmetikwirtschaft zu unterhalten“, erinnert sich Bertag an die erste Begegnung mit Zühlsdorff. „Sehr angenehm“ sei die inzwischen 25 Jahre währende Bekanntschaft mit dem 74-Jährigen.

Beide wissen: „Auch die beste Antifaltencreme
ist kein Fugenfüller, und Haarsamen gibt es auch nicht“

Vermutlich auch deshalb, weil beide Bescheid wissen im Geschäft mit der Schönheit: „Auch die beste Antifaltencreme ist kein Fugenfüller, und Haarsamen gibt es auch nicht“, sagt die 72-Jährige, und Zühlsdorff streicht sich lächelnd über die hohe Stirn. „Mit Überzeugung und Hingabe“ habe sie das Kombinat geführt, immer die staatlichen Planungsgrößen und Restriktionen im Blick: Bedürfnisse der Menschen, Verfügbarkeit von Rohstoffen und die technologischen Kapazitäten. 95 Prozent der in der DDR verbrauchten Kosmetika stammten aus dem Kombinat, das nach der Wende größtenteils bei der US-Firma Agriculture and Industrial Trading landete. Als Chief Operation Officer arbeitete Bertag noch einige Zeit für die Amerikaner und machte sich dann als Unternehmensberaterin selbstständig.

Zühlsdorff kam 1990 mit einer bestimmten Absicht zu Besuch: Das VEB Londa in Rothenkirchen, wo das berühmte Haarpflegemittel produziert wurde und wo 1930 die Wiege von Wella stand. Mit Hilfe Bertags konnte Zühlsdorff das Werk von der Treuhand übernehmen; der Betrieb wurde erhalten und gehört inzwischen, wie Wella insgesamt, zum US-Konzern Procter & Gamble. Kaufen, Verkaufen, Aufbauen, Zugrundegehen – die ewigen Mechanismen im Kapitalismus. „Wir sind auf dem falschen Weg mit einem nur wirtschaftsgetriebenen Verhalten“, geht Zühlsdorff auf Distanz zur schlichten Gewinnmaximierung. Nach Wella half er bei der Sanierung von Tengelmann und Sinn Leffers, übernahm von der Deutschen Bank die „Deutsche Industrie-Holding“ und schaut aktuell als Aufsichtsratschef dem Management der Messe Berlin und des Klinikkonzern Vivantes auf die Finger. Für den Anhänger der sozialen Marktwirtschaft gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Planwirtschaft: „Nur im Wettbewerb kannst du dich weiterentwickeln.“

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