• 25 Jahre Haft für Waffenhändler Bout: Russland kritisiert Urteil gegen "Händler des Todes"

25 Jahre Haft für Waffenhändler Bout : Russland kritisiert Urteil gegen "Händler des Todes"

Ein US-Bundesgericht hat den russischen Waffenhändler Viktor Bout zu 25 Jahren Haft verurteilt. Russland kritisiert das Urteil scharf, und versucht den als "Händler des Todes" bekanntgewordenen Bout in seine Heimat zu holen.

Der russische Waffenhändler Viktor Bout wurde von einem US-Bundesgericht in New York zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Der russische Waffenhändler Viktor Bout wurde von einem US-Bundesgericht in New York zu 25 Jahren Haft verurteilt.Foto: dpa

Moskau hat das Urteil eines US-Bundesgerichts in New York gegen den russischen Waffenhändler Viktor Bout zu 25 Jahren Haft als "unbegründet und parteiisch" kritisiert. Die US-Justiz habe einen klaren politischen Auftrag gehabt und sei voreingenommen gegen den als "Händler des Todes" bekanntgewordenen Bout gewesen. Das teilte das Außenministerium in Moskau am Freitag mit. Russland werde mit allen legalen Mitteln versuchen, Bout in die Heimat zu holen.

Bouts Ehefrau bezeichnete das Urteil als Sieg für ihren Mann. Es sei eine Bankrotterklärung der Anklage, dass er lediglich zur Mindeststrafe verurteilt worden sei, sagte Alla Bout nach Angaben russischer Medien. Sie forderte Russland auf, ihren Mann mit allen Mitteln in die Heimat zu holen. Der Verteidiger des früheren Sowjetoffiziers kündigte Berufung an.

Das Urteil vom Donnerstagabend könne sich negativ auf die Beziehungen zwischen Russland und den USA auswirken, warnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma in Moskau, Alexej Puschkow. Der 45 Jahre alte Bout hat nach Überzeugung eines US-Bundesgerichts in New York zahlreiche Rebellengruppen und autoritäre Regierungen auf der ganzen Welt illegal mit Waffen beliefert.

Bout erhielt zudem in drei weiteren Anklagepunkten, in denen er im November für schuldig befunden worden war, jeweils 15 Jahre Haft. Die Haftstrafen werden gleichzeitig verbüßt. „25 Jahre sind genug“, sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Verkündung des Strafmaßes. „Es gibt keine Beweise, dass er sich aktiv in einer terroristischen Vereinigung engagieren wollte“, räumte die Richterin ein. Bout habe aber in der Vergangenheit Waffen an „die grausamsten und gewalttätigsten Regime der Welt“ verkauft.

Bout selbst beteuerte bei der Urteilsverkündung erneut seine Unschuld. „Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu töten, und ich hatte nie die Absicht, Waffen an jemanden zu verkaufen, Gott kennt die Wahrheit“, sagte Bout im Gerichtssaal, in dem auch seine Frau und 17-jährige Tochter anwesend waren.

Staatsanwalt Preet Bharara nannte das Urteil angemessen „für einen Karriere-Waffenhändler der gefährlichsten Art“. Die Vorsitzende des Conflict Awareness Project in den USA, Kathi Lynn Austin, erklärte, das Urteil sei ein Präzendenzfall im Kampf gegen illegal agierende Waffenhändler.

Bouts Anwalt Albert Dayan hatte der Richterin zuvor vorgeworfen, Bout bereits vorverurteilt zu haben. „Das waren keine Ermittlungen“, kritisierte er. Für seinen Mandanten bedeute das Urteil „nicht das Ende“, sagte Dayan am Freitag laut russischen Nachrichtenagenturen. „Wir haben solide Argumente und sind zuversichtlich, dass die Wahrheit siegen wird“, sagte Dayan und erklärte, er werde das Urteil anfechten. Zugleich schloss er nicht aus, dass Bout nach Russland ausgeliefert werden könnte.

Bout war 2008 in Thailand festgenommen und später an die USA ausgeliefert worden. US-Agenten, die sich als Mitglieder der kolumbianischen FARC-Guerilla ausgaben, hatten ihn in ein fiktives Waffengeschäft verwickelt und unter anderem Raketen zum Abschuss von US-Flugzeugen verlangt. Bouts Anwalt sagte vor Gericht, sein Mandat habe den Waffenverkauf lediglich vorgetäuscht, tatsächlich sei es ihm um den Verkauf von Flugzeugen gegangen. Im November wurde Bout unter anderem für schuldig befunden, den Verkauf von Waffen zur Tötung von US-Bürgern geplant zu haben.

Der Russe soll Waffen in Krisengebiete in Afrika, Südamerika, den Nahen Osten und nach Asien geliefert haben. Auch in Afghanistan soll er über Jahre Kriegsparteien mit Waffen versorgt haben, auch islamistische Terrorgruppen. Bout beherrscht angeblich sechs Fremdsprachen und verfügte in der Vergangenheit über verschiedene Tarnidentitäten. Sein schillerndes Leben war Vorlage für den Hollywood-Film „Lord of War - Händler des Todes“ mit Nicolas Cage. Bei dem Verfahren in New York ging es nur um die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Ermittlungen der US-Agenten, nicht um seine Geschäfte insgesamt. (AFP/dpa)

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