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Bush beim Papst zu „herzlicher Unterredung“

Paul Kreiner

Rom - Mit einem Besuch bei Papst Benedikt XVI., bei Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano und bei Regierungschef Romano Prodi hat US-Präsident George W. Bush am Samstag seine Europareise fortgesetzt. Abgesehen von mehreren zehntausend Menschen, die gegen Bushs „Kriegspolitik“ protestierten, wirkte die im Zentrum weiträumig abgeriegelte Stadt Rom am ersten Ferienwochenende wie ausgestorben. Viel freundlicher und entspannter als vor drei Jahren verlief Bushs Besuch im Vatikan. Damals erteilte ihm Johannes Paul II. einen Rüffel für eine allzu militärisch angelegte amerikanische Nahostpolitik und für den Einmarsch im Irak. Jetzt hatte der neue Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone als Chefpolitiker des Papstes die Parole ausgegeben, man müsse „auch die positiven Seiten“ bedenken. So hob er unter anderem Bushs Einsatz für den „Schutz des Lebens und die Werte der Familie“ hervor.

Nach der halbstündigen Begegnung mit Benedikt XVI. teilte der Vatikan am Samstag mit, Papst und Präsident hätten „in herzlicher Unterredung“ eine Tour d’horizon durch die „wichtigsten Themen der internationalen Politik“ unternommen; der Papst habe insbesondere auf die „schwierige Lage der Christen im Irak“ hingewiesen und „wieder einmal“ eine „regionale Verhandlungslösung für den Nahen Osten“ gewünscht.

Positiv aufgenommen wurde in Italien das Treffen Bushs mit der katholischen Laiengemeinschaft Sant’Egidio, deren etwa 50 000 ehrenamtliche Mitglieder weltweit gegen Armut und Krankheit kämpfen und die sich auch durch politische Friedensvermittlungen – zuletzt an der Elfenbeinküste und in Mosambik – einen Namen gemacht hat. Das Gespräch mit Sant’Egidio fand in der amerikanischen Botschaft statt; auf einen Besuch in der Zentrale der Gemeinschaft verzichteten die Amerikaner in letzter Minute: Das enge Gassengewirr des Stadtteils Trastevere stellte sich für die Sicherheitskräfte als unkontrollierbar heraus.

An zwei Großdemonstrationen in Rom gegen den Besuch Bushs, dessen Politik im Irak und in Afghanistan sowie die Vergrößerung der US-Militärbasis in Vicenza nahmen 150 000 Menschen teil. Die linken bis kommunistischen Parteien in der Regierung Prodi versicherten, es würden „friedliche Kundgebungen“. Am Abend kam es jedoch zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und vermummten Demonstranten.Paul Kreiner

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