• 300 Patronen verschossen: Mutmaßlicher Serienattentäter stirbt in minutenlangem Schusswechsel
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300 Patronen verschossen : Mutmaßlicher Serienattentäter stirbt in minutenlangem Schusswechsel

Er sollte lebend gefasst werden, doch Muhamed Mehra ließ sich nicht zur Aufgabe bewegen. Nach einer nervenaufreibenden Belagerungsaktion ist der 23-Jährige in einem Schusswechsel getötet worden. Aber auch Polizisten wurden verletzt.

Der mutmaßliche Toulouse-Attentäter Mohamed Merah auf einem bereits bekannten Video. Neue Aufnahmen sollen seine Taten zeigen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
26.03.2012 12:54Der mutmaßliche Toulouse-Attentäter Mohamed Merah auf einem bereits bekannten Video. Neue Aufnahmen sollen seine Taten zeigen.

Nachdem Polizisten in die Wohnung des mutmaßlichen Serienattentäters von Toulouse eingedrungen sind, leistete der 23-Jährige laut Polizei Widerstand. Gegen 10.30 Uhr seien Elite-Polizisten durch Fenster und Türen ins Haus eingedrungen und hätten mit Video-Robotern das Innere erforscht. Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen das Feuer auf die Beamten eröffnet. „Es waren häufige Schuss-Salven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat“, sagte Guéant. Die Elite-Polizisten hätten zurückgeschossen. Nach mehrminütigem Schusswechseln sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. Gegen 11.30 Uhr kehrte plötzlich Stille ein. „Er wurde tot auf dem Boden gefunden“, sagte Guéant. Nach Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen. Guéant dankte den Beamten für ihren „extrem schwierigen Einsatz“. In dem fünfminütigen Feuergefecht sind laut einem Sprecher der französischen Polizeigewerkschaft auch drei Polizisten verletzt worden.

Präsident Nicolas Sarkozy, der den Einsatz in Paris verfolgt hatte, drückte ihnen ebenfalls seinen Dank aus und kündigte über sein Amt eine TV-Rede gegen 13 Uhr an. Die Staatsanwaltschaft will sich am frühen Abend äußern.

Vor dem entscheidenden Einsatz hatte es bereits seit vielen Stunden keine Gespräche mehr mit Mohamed Mehra gegeben. „Wir haben während der Nacht keinen Kontakt mit ihm gehabt, alle Hypothesen sind möglich; wir hoffen, er lebt noch“, sagte der französische Innenminister Guéant am Donnerstag dem Fernsehsender RTL. Priorität der Polizei sei es, den 23-Jährigen lebend zu fassen, damit er sich vor der Justiz verantworten muss. Mehra habe erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben.

Der mutmaßliche Attentäter hatte sich über 30 Stunden in dem Mehrfamilienhaus verschanzt. Verteidigungsminister Gerard Longuet hatte am Mittwochabend dem TV-Sender TF1 gesagt, man wolle den mutmaßlichen Attentäter lebend ergreifen, um ihn vor Gericht stellen zu können. “Wir wollen seine Beweggründe erfahren und hoffentlich herausbekommen, wer seine Komplizen sind, falls es welche gibt.“ Dem 24-jährigen Mohamed Merah wird vorgeworfen, für das Attentat am Montag verantwortlich zu sein. Dabei wurden drei Kinder und ein Lehrer vor einer jüdischen Schule erschossen. Außerdem steht er im Verdacht, Tage zuvor drei Fallschirmjäger getötet zu haben, die wie er aus Nordafrika stammten.

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