Politik : 35000 Jugendliche ohne Lehrstelle

Wirtschaft verspricht allen einen Ausbildungsplatz / Weniger Arbeitslose im Vergleich zum August

Dieter Fockenbrock,Esther Kogelboom

Berlin. Der Streit um eine Zwangsabgabe für ausbildungsunwillige Betriebe hat sich verschärft. Oppositionschefin Angela Merkel (CDU) lehnte am Donnerstag eine solche Zwangsabgabe ab. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit suchen immer noch 35 000 Jugendliche eine Lehrstelle. Die deutsche Wirtschaft zeigte sich zuversichtlich, dass sie bis Ende des Jahres allen ausbildungswilligen Jugendlichen eine Lehrstelle anbieten kann.Unterdessen ist die Arbeitslosigkeit im September im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken. Ende des Monats suchten 4,2 Millionen Menschen einen Job – 107 400 weniger als im August.

Von Dieter Fockenbrock

und Esther Kogelboom

Nach Gersters Einschätzung wird die Arbeitslosigkeit in diesem Winter die gefürchtete Fünf-Millionen-Marke nicht überspringen. Der Chef der Bundesanstalt rechnet erst 2005 mit einer deutlichen Verringerung der Erwerbslosigkeit.

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte nach dem Ausbildungsgipfel, die Wirtschaft wolle nun jeden der Jugendlichen ohne Lehrstelle anschreiben und nach einem Beratungsgespräch ein Angebot machen. Eine Ausbildungsabgabe, die auch von Kanzler Gerhard Schröder abgelehnt wird, soll es zunächst nicht geben. Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, sagte nach dem Treffen, man sei zuversichtlich, dass die allermeisten der betroffenen Leute bis zum Jahresende mit einer Lehrstelle versorgt sein werden. DGB-Chef Michael Sommer warf der Wirtschaft dennoch vor, ihre Zusage gebrochen zu haben, allen ausbildungswilligen Jugendlichen auch eine Lehrstelle anzubieten. Sommer forderte die Regierung zum Handeln auf. „Wir brauchen ein gesetzliches Umlageverfahren, das ausbildende Betriebe entlastet und Trittbrettfahrer finanziell in Haftung nimmt.“

Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland bedeuten nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit keine Trendwende, sagte Behördenchef Florian Gerster. Die Wachstumsschwäche belaste weiterhin den Arbeitsmarkt, sagte er. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einem erfreulichen Signal. Die ersten beiden Hartz-Gesetze zeigten bereits Wirkung, sagte er.

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