Tag 40 bis 59

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Update
395 Verhandlungstage : Die Chronik des NSU-Prozesses
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa

Tag 40 / 30. September 2013: Eine Zeugin will in Dortmund kurz vor dem Mord an Mehmet Kubasik die späteren Täter Mundlos und Böhnhardt gesehen haben – gemeinsam mit Beate Zschäpe und einem „bulligen Skinhead“.

Tag 41 / 1. Oktober 2013: Zitternd und weinend berichtet Ismail Yozgat, wie er seinen sterbenden Sohn Halit fand. Der Vater ruft den Angeklagten zu, „mit welchem Recht haben Sie das getan? Warum haben Sie mein Lämmchen getötet?“ Nach Ismail Yozgat sagt der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. aus. Er war mutmaßlich zur Tatzeit im Internetcafé von Halit Yozgat. Von dem Mord habe er aber nichts gemerkt, sagt er.

Tag 42 / 2. Oktober 2013: Die Mutter von Halit Yozgat appelliert an Beate Zschäpe, ihr Schweigen zu beenden. „Ich bitte Sie um Aufklärung“, sagt Ayse Yozgat. Die Angeklagte bleibt stumm.

Tag 43 / 8. Oktober 2013: Der Angeklagte André E. wird mit unangenehmen Details konfrontiert. Eine Beamtin des BKA berichtet von einer Festplatte, die im Schutt des mutmaßlich von Zschäpe angezündeten Hauses in Zwickau gefunden wurde. Die Festplatte enthält private Bilder von Eminger und seiner Familie sowie  ein Schreiben mit der Parole „Sieg Heil“.

Tag 44 / 9. Oktober 2013: Eine Polizistin belastet Zschäpe. Im Brandschutt des Hauses in Zwickau seien auf zwei Zeitungsausschnitten Fingerabdrücke der Angeklagten gesichert worden. In den Artikeln ging es um den Mord an Habil Kilic und den Sprengstoffanschlag vom 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstraße.

Tag 45 / 10. Oktober 2013: Der Angeklagte Carsten S. lässt sich nun doch von Wohllebens Verteidigern befragen. Carsten S. bleibt jedoch bei seiner Aussage, Wohlleben habe an der Beschaffung der Mordwaffe Ceska 83 mitgewirkt.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Tag 46 / 15. Oktober 2013: Ein Ermittler im Fall des ermordeten Theodoros Boulgarides gibt zu, er habe dessen Freundin gefragt, ob sie die Pille nimmt. Der Beamte vermutete, der in Scheidung von seiner Frau lebende Boulgarides könne aus Eifersucht getötet worden sein – obwohl der Polizei bekannt war, dass die Tat zu einer Serie von Morden an Migranten zählte.

Tag 47 / 16. Oktober 2013: Ein früherer Waffenhändler aus der Schweiz äußert sich zum Verkauf der Ceska 83. Die Pistole habe der Schweizer Peter G. erworben, sagt der Zeuge und meint lapidar, „wenn er eine illegale Absicht damit hatte, hat er sie uns nicht auf die Nase gebunden“. 

Tag 48 / 22. Oktober 2013: Im Fall des in Nürnberg erschossenen Ismail Yasar sagt eine Zeugin, sie habe Beate Zschäpe am Tatort gesehen.

Tag 49 / 23. Oktober 2013: Polizeibeamte aus Rostock rechtfertigen ihre Ermittlungen im Mordfall Mehmet Turgut. Am 25. Februar 2004 hatten Mundlos und Böhnhardt den Türken in einem türkischen Imbiss erschossen. Die Polizisten sprechen von Hinweisen auf Rauschgiftdelikte. Ein rassistisches Motiv sahen sie nicht.

Tag 50 / 24. Oktober 2013: Jacqueline Wohlleben, die Ehefrau des Angeklagten Ralf Wohlleben, sitzt als „Beistand“ neben ihn. Ein BKA-Mann berichtet, nach dem Ende des NSU am 4. November 2011 seien bundesweit 15 Exemplare der Bekenner-DVD der Terrorzelle verschickt worden.

Tag 51 / 5. November 2013: Tochter und Ehefrau des in Dortmund getöteten Mehmet Kubasik berichten von schikanösen Ermittlungen der Polizei. Die Witwe sagt, ein Beamter habe einem Nachbarn erzählt, der Ermordete habe mit Drogen zu tun gehabt.

Tag 52 / 6. November 2013: Ein Psychiater schlägt vor, die gebrechliche Zeugin Charlotte E. von München aus in ihrem Pflegeheim in Zwickau per Video zu vernehmen. Der Facharzt hat die ehemalige Nachbarin von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in der Zwickauer Frühlingsstraße untersucht.

Tag 53 / 7. November 2013: Der ehemalige Betreiber des „Madley“, eines Ladens für rechte Szenekleidung in Jena, gibt zu, der Angeklagte Wohlleben habe ihn im Frühjahr 2000 nach einer Waffe gefragt.

Tag 54 / 12. November 2013: Eine Zeugin gibt zu, im Jahr 2006 ihre AOK-Karte dem Angeklagten Holger G. für 300 Euro verkauft zu haben. Dass Holger G. die Karte für die untergetauchte Zschäpe brauchte, die offenbar an Zahnschmerzen litt, will die Zeugin nicht gewusst haben.

Tag 55 / 13. November 2013: Ein früherer Mitarbeiter des Jenaer Szeneladens „Madley“ will sich ohne Anwalt nicht äußern. Beim BKA hatte der Mann zugegeben, die Mordwaffe Ceska 83 dem Angeklagten Carsten S. verkauft zu haben.

Tag 56 / 14. November 2013: Erster Hinweis, wie Zschäpe im Untergrund an ein Prepaid-Handy gekommen sein könnte. Eine Zeugin sagt, sie habe 2004 in Zwickau auf die Bitte einer Frau für sie einen Kaufvertrag unterschrieben. Die Frau habe behauptet, ihren Ausweis vergessen zu haben. Eine früherer Nachbar Zschäpes in Zwickau sagt, Zschäpe sei so schlecht auf Ausländer zu sprechen gewesen, dass sich sein Bruder nicht getraut haben, zu einem Besuch zu kommen. Der Bruder war mit einer Vietnamesin verheiratet. Die Ehefrau des Zeugen sagt jedoch, sie habe bei Zschäpe keine Ausländerfeindlichkeit bemerkt.

Tag 57 / 19. November 2013: Bizarrer Auftritt der Mutter des NSU-Mörders Uwe Böhnhardt. Die Polizei habe ihrem Sohn bei Durchsuchungen vor dessen Gang in den Untergrund Waffen untergeschoben, behauptet Brigitte Böhnhardt. Sie hält Uwe zudem für ein Opfer des Umbruchs nach dem Ende der DDR. Freimütig berichtet die Mutter, sie und ihr Mann hätten den Sohn, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe mehrmals  getroffen, nachdem die drei untergetaucht waren.

Tag 58 / 20. November 2013: Mutter Böhnhardt wird weiter befragt. Sie spricht Zschäpe direkt an und bedankt sich bei ihr für den Anruf nach dem Tod der beiden Uwes. Die Angeklagte zeigt das übliche Pokerface.

Tag 59 / 21. November 2013: Der Neonazi André K., in den 1990er Jahren einer der Wortführer der Szene in Jena, äußert sich rassistisch über Migranten und bezeichnet den Angeklagten Wohlleben als „Friedenstaube“. Der Zeuge gibt zu, nach dem Untertauchen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe im Jahr 1998 mit den beiden Männern telefonisch Kontakt gehalten zu haben. Allerdings nicht über 1998 hinaus.

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