Tag 100 bis 119

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Update
397 Verhandlungstage : Die Chronik des NSU-Prozesses
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa

Tag 100 / 1. April 2014: Ein früherer Skinhead aus Chemnitz gibt zu, Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in seiner Wohnung beherbergt zu haben. 

Tag 101 / 2. April 2014: Thomas S., eine mutmaßlich zentrale Figur im frühen Unterstützerkreis für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, verweigert die Aussage, da gegen ihn noch ermittelt wird. Ein BKA-Beamter berichtet jedoch über eine Vernehmung von Thomas S. Der gab da zu, Mundlos vor dessen Untertauchen Sprengstoff beschafft zu haben. Am Nachmittag hat Zschäpe wieder Kopfschmerzen. Ein Arzt untersucht sie, Richter Götzl beendet vorzeitig die Verhandlung.

Tag 102 / 3. April 2014: Die Mutter von Uwe Mundlos sagt aus und äußert Selbstkritik. Sie habe sich nur wenig um Uwe kümmern können, berichtet Ilona Mundlos. Als Gründe nennt sie ihre Arbeit in einer Kaufhalle in Jena und die Pflege für den schwer behinderten Bruder von Uwe.

Tag 103 / 8. April 2014: Eine Ex-Freundin des Angeklagten André E. erzählt, dass sie mit ihm die untergetauchten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe kennenlernte, als die sich 1998 in einer Chemnitzer Wohnung versteckten.

Tag 104 / 9. April 2014: Der ehemalige Leiter der Außenstelle des hessischen Verfassungsschutzes in Kassel berichtet von einer Lüge seines damaligen Mitarbeiters Andreas T. Der hatte nach dem Mord an Halit Yozgat behauptet, er kenne das Internetcafé nicht, in dem die Tat geschehen war.

Tag 105 / 10. April 2014: Mandy S., einst Unterstützerin von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, sagt nochmal aus. Sie gibt an, einen Text für das rechtsextreme Heft „Landser“ geschrieben zu haben, in dem sie die Szene zur Einigkeit aufrief.

Tag 106/15. April 2014: Der Vater des ermordeten Halit Yozgat befragt selbst den Ex-Verfassungsschützer Andreas T. „Haben Sie nicht nach meinem Sohn gesucht, als Sie die 50 Cent auf den Tisch gelegt haben?“, ruft Ismail Yozgat. Andreas T. antwortet, „ich konnte nicht ahnen, dass so was Entsetzliches passiert war, dass ich unter dem Tisch gesucht hätte!.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Tag 107/ 16. April 2014: Mundlos und Böhnhardt seien manchmal in braunen Uniformen herumgelaufen, sagt eine ehemalige Rechtsextremistin. Das habe etwas Bedrohliches gehabt, „aber auch etwas Lächerliches“.

Tag 108 / 28. April 2014: Mutmaßlicher Mittelsmann bei der Beschaffung der Mordwaffe Ceska 83 sagt, er wisse von der Pistole nichts.

Tag 109 / 29. April 2014: Tino Brandt, der Anführer der Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“, sei für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe „ein Gott“ gewesen, zitiert ein BKA-Beamter aus der Vernehmung von Thomas S., einer mutmaßlichen Hauptfigur der Unterstützer des NSU.

Tag 110/ 6. Mai 2014: Am ersten Jahrestag des Prozesses fühlt sich Zschäpe so schlecht, dass sie am Vormittag mit ihren Anwälten den Saal verlässt – und nicht mehr wiederkommt. Die Verteidiger streiten dann noch mit einem Arzt und stellen gegen ihn einen Befangenheitsantrag. Der nächste Termin fällt wegen Erkrankung Zschäpes aus.

Tag 111/ 8. Mai 2014: Zschäpe kommt zum Prozess, leidet aber weiter unter Übelkeit. Richter Götzl bricht die Verhandlung am Mittag ab.

Tag 112/ 19. Mai 2014: Ein früherer Rechtsextremist gibt konspirative Telefonate mit den untergetauchten Mundlos und Böhnhardt und Kurierdienste zu.

Tag 113 / 20. Mai 2014: Mitarbeiter der Eisenacher Sparkasse berichten vom Raubüberfall des NSU am 4. November 2011. Ein Rentner schildert, wie er an dem Tag der Polizei den entscheidenden Tipp zu Mundlos und Böhnhardt gab. Die beiden erschossen sich in Eisenach  in ihrem gemieteten Wohnmobil, als die Polizei näher kam. Zuvor hatte einer oder beide das Fahrzeug angezündet.

Tag 114 / 21. Mai 2014: Der Angeklagte André E. provoziert mit einem szenetypischen Kapuzenpulli. Auf einem Ärmel steht „Satanic Warmaster“. Es ist der Name einer rechtsextremen Rockband. Richter Götzl lässt den Angeklagten mit seinem Kleidungsstück von einem Polizisten fotografieren.

Tag 115 /  26. Mai 2014: Ein Profi-Bankräuber wird zu einem möglichen Waffendeal mit dem Angeklagten Wohlleben befragt. Der Häftling sagt, er wisse von nichts.

Tag 116 / 28. Mai 2014: Eine Mitarbeiterin der Eisenacher Sparkasse ist nach dem Überfall von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 noch heute traumatisiert. Mutmaßlich Böhnhardt hatte die Frau mit einer Waffe bedroht und den Filialleiter niedergeschlagen.

Tag 117 / 3. Juni 2014: Polizisten sagen zum Anschlag auf ein iranisches Lebensmittelgeschäft in der Kölner Probsteigasse aus. Mundlos oder Böhnhardt soll im Dezember 2000 eine präparierte Christstollendose in dem Laden stehen gelassen haben. Die Tochter des Einzelhändlers erlitt schwere Verletzungen, als sie den Behälter am 19. Januar 2001 öffnete.

Tag 118 / 4. Juni 2014: Das Opfer des Anschlags berichtet über die Verbrennungen und weiteren Wunden. Und sie sagt, „so leicht lasse ich mich aus Deutschland nicht wegjagen“.

Tag 119 / 5. Juni 2014: Der Vater des Opfers sagt, er sei arbeitslos, der Anschlag habe ihn ruiniert.

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