Tag 180 bis 199

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Update
397 Verhandlungstage : Die Chronik des NSU-Prozesses
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa

Tag 180 / 29. Januar 2015: Opfer Keupstraße. Einer ihrer Anwälte gerät in Verdacht, das Schicksal eines potenziellen Mandanten übertrieben zu haben.

Tag 181 / 3. Februar 2015: Ein Rechtsextremist sagt aus, Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe hätten sich in Chemnitz „normal in der Szene bewegt“.

Tag 182 / 4. Februar 2015: Tatortvermesser der Polizei verheddert sich mehrmals bei den Angaben zum Anschlag Keupstraße.

Tag 183 / 5. Februar 2015: Jugendgerichtshelfer schildert Biografie des zur Tatzeit im Jahr 2000 noch heranwachsenden Angeklagten Carsten S., von der Strenge des Vaters über die Zeit in der rechten Szene in Jena bis hin zum Ausstieg und dem Coming out als Schwuler. Zschäpes Verteidiger beantragen, einer Nebenklägerin aus der Keupstraße und ihrem Anwalt die Zulassung zum Verfahren zu entziehen. Die Frau sei nicht verletzt worden, sagen die Anwälte der Angeklagten.

Tag 184 / 10. Februar 2015: Der betroffene Nebenklage-Anwalt beantragt, den Antrag der Verteidiger Zschäpes zurückzuweisen. Auch die Bundesanwaltschaft sieht für einen Widerruf der Zulassung keinen Grund.

Tag 185 / 11. Februar 2015: Schriller Auftritt eines rechtsextremen Skinheads aus Kassel. Er bestreitet, was er der Polizei gesagt hat: dass er Mundlos und Böhnhardt im März 2006, kurz vor dem Mord an Halit Yozgat, in Kassel vom Bahnhof abholte. Die Beamten hätten ihm Worte in den Mund gelegt.

Tag 186 / 24. Februar 2015: Eine Zeugin aus Zwickau erzählt vom gemeinsamen Alkoholkonsum mit Zschäpe alias „Lisa“. Der Verhandlungstag wird vorzeitig abgebrochen, da Zschäpe sich schlecht fühlt.

Tag 187 / 25. Februar 2015: Zwei ehemalige Skinheads aus Chemnitz, Zwillingsbrüder, berichten von ihrer Hilfe für die drei Untergetauchten. Einer der beiden überließ Böhnhardt seinen Reisepass.

Tag 188 / 26. Februar 2015: Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe seien in der Thüringer Szene wie Helden verehrt worden, sagt eine frühere Rechtsextremistin.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Tag 189 / 4. März 2015: Da Zschäpe in der vergangenen Woche erneut krank wurde, lässt Götzl vorläufig nur noch an zwei statt an drei Tagen verhandeln. Außerdem dürfen Fotografen und Kamerateams nur noch am ersten und siebten Sitzungstag im Monat und bei „besonderen Prozesssituationen“ Aufnahmen im Sitzungssaal machen. Der Richter will Zschäpe verhandlungsfähig halten. Ein ehemaliger Rechtsextremist aus Jena sagt, er habe den Bau von Bomben für den falschen Weg gehalten, aber aus „Kadavergehorsam“ nicht verurteilt.

Tag 190 / 5. März 2015: Mutter und Bruder des im April 2012 in Berlin von einem Unbekannten erschossenen Burak Bektas sind als Zuschauer im Prozess. Die beiden vermuten, Burak sei nach dem Muster der Morde des NSU getötet worden. Später bedroht auf der Tribüne für Zuschauer der Begleiter eines rechtsextremen Zeugen einen Journalisten. Der stellt Strafanzeige.

Tag 191 / 11. März 2015: Ein früherer Aktivist von Blood & Honour bestreitet, für den Verfassungsschutz gespitzelt zu haben – obwohl die Behörde für seinen Auftritt in München eine Aussagegenehmigung erteilt hat.

Tag 192 / 12. März 2015: Ein weiteres Opfer berichtet vom Anschlag in der Kölner Keupstraße. Ein früherer Freund von Mundlos erzählt, dieser habe sich zu DDR-Zeiten für die Rote Armee Fraktion interessiert und „wie man untertaucht“.

Tag 193 / 18. März 2015: Der psychiatrische Gutachter Norbert Leygraf bescheinigt dem  Angeklagten Carsten S., er sei im Frühjahr 2000 in seiner Persönlichkeitsbildung beeinträchtigt gewesen. Carsten S. könnte demnach noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Tag 194 / 19. März 2015: Zschäpe alias „Liese“ sei immer freundlich und aufgeschlossen gewesen, sagt eine frühere Nachbarin aus der Zwickauer Polenzstraße. Am Rande der Verhandlung wird bekannt, dass der Bundesgerichtshof eine Beschwerde der Verteidiger Wohllebens gegen die Fortdauer der Untersuchungshaft abgewiesen hat.

Tag 195 / 25. März 2015: Zeugen berichten zum Überfall von Mundlos und Böhnhardt auf eine Filiale der Sparkasse im thüringischen Arnstadt am 7. September 2011. Mutmaßlich Böhnhardt schlug eine Angestellte. Die Neonazis erbeuteten 15 000 Euro.

Tag 196 / 26. März 2015: Erste Zeugen zu den beiden Überfälle von Mundlos und Böhnhardt auf dieselbe Filiale der Sparkasse in Stralsund. Die beiden raubten am 7. November 2006 und am 18. Januar 2007 insgesamt 254 965 Euro. Eine Angestellte berichtet weinend von anhaltenden Angstzuständen.

Tag 197 / 14. April 2015: Der Angeklagte Holger G. fehlt am Morgen. Götzl gibt den Prozesstag dennoch nicht auf, G. muss noch für die aktuelle Verhandlung aus Niedersachsen anreisen. Sie startet dann um 16.20 Uhr. Holger G. entschuldigt sich, in seinem Terminplan sei „die Woche verrutscht“. Götzl vernimmt noch sieben der für den Tag geladenen neun Zeugen. Es geht vor allem um die Banküberfälle in Stralsund.

Tag 198 / 15. April 2015: Ein Zeuge sagt, wegen seines bulgarischen Vaters sei er von Uwe Böhnhardt „sehr unfreundlich“ behandelt worden. Uwe Mundlos hingegen sei mit ihm befreundet gewesen, habe ihm von einer Bombenattrappe erzählt - und angekündigt, er werde untertauchen.

Tag 199 / 22. April 2015: Der Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes, Gordian Meyer-Plath, bescheinigt dem früheren V-Mann Carsten Sz., seine Berichte hätten eine "hohe Qualität" gehabt. Carsten Sz. hatte von 1994 bis 2000 für den Brandenburger Verfassungsschutz in der rechten Szene gespitzelt. Der V-Mann mit dem Decknamen "Piatto" berichtete 1998 von "drei untergetauchten sächsischen Skinheads", damit waren offenkundig Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gemeint. Carsten Sz. gab auch an, der sächsische Rechtsextremist Jan W. wolle Waffen für die drei besorgen.

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