Tag 60 bis 79

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Update
397 Verhandlungstage : Die Chronik des NSU-Prozesses
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa

 Tag 60 / 26. November 2013: Frühere Urlaubsbekannte von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe berichten, immer noch konsterniert, von harmonischen Tagen auf Fehmarn. Die Zeugen hatten die drei von 2007 bis 2011 auf einem Campingplatz getroffen. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe tarnten sich allerdings mit falschen Namen und gaben wenig von sich preis. Eine Ex-Bekannte sagt, Zschäpe habe die Finanzen der drei verwaltet. Andere Zeugen können sich daran nicht erinnern.

Tag 61 / 27. November 2013: Zschäpes Mutter weigert sich, im Prozess auszusagen. Ein Cousin von Zschäpe berichtet über sein „Lotterleben“ als Skinhead und dass er vom stramm rechten Uwe Mundlos als „Assi“ beschimpft wurde.

Tag 62 / 28. November 2013: Zschäpes Cousin wird weiter befragt. Er sagt, Zschäpe sei nicht so die Person für Rohrbomben gewesen, eher die beiden verrückten Uwes.

Tag 63 / 3. Dezember 2013: Der frühere hessische Verfassungsschützer Andreas T. wird erneut von Richter Götzl befragt. Doch T. bleibt dabei: er habe von dem Mord an Halit Yozgat in dessen Internetcafé nichts mitbekommen und auch die Leiche nicht gesehen. Andreas T. behauptet, er habe für die Benutzung eines Computers 50 Cent auf den Tresen gelegt und sei gegangen.

Tag 64 / 4. Dezember 2013: Andreas T. sei bei einem Telefonat kurz nach dem Mord an Halit Yozgat nervös gewesen, sagt ein ehemaliger Rechtsextremist aus Kassel, den der Verfassungsschützer als V-Mann geführt hatte. Über die Tat sei aber nicht gesprochen worden.

Tag 65 / 5. Dezember 2013: Weiterer Befangenheitsantrag gegen Richter Götzl. Wohllebens Verteidiger Olaf Klemke hält ihm vor, er habe zugelassen, dass eine Nebenklage-Anwältin aus Akten zitiert, die der Verteidigung Wohlleben nicht vorliegen. Der Verhandlungstag endet vorzeitig, da Zschäpe nach Angaben ihres Verteidigers Wolfgang Heer unter Kopfschmerzen leidet.

Tag 66 / 9. Dezember 2013: Eine weitere Zeugin berichtet, für eine fremde Frau, mutmaßlich Zschäpe, in Zwickau einen SIM-Karten-Vertrag für ein Prepaid-Handy unterschrieben zu haben. Die Zeugin sagt, sie habe dafür 50 Euro bekommen und nennt ihr Verhalten „jugendlicher Leichtsinn“. Ein Zwickauer Polizist berichtet, 2007 Zschäpe zu einem Diebstahl in dem Haus in der Polenzstraße befragt zu haben. Dort lebte Zschäpe damals unter falschem Namen mit Mundlos und Böhnhardt. Zschäpe erschien mit dem Angeklagten André E. bei der Polizei und gab sich als „Susann Eminger“ aus. Den Beamten irritierte nicht, dass an der Wohnungstür der Frau der (ebenfalls falsche) Name „Dienelt“ stand.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Tag 67 / 10. Dezember 2013: Zschäpe bekommt Rückendeckung von einer Ex-Nachbarin aus der Polenzstraße. Die Angeklagte sei ihre beste Freundin gewesen, sagt die Zeugin. Sie kannte Zschäpe als „Susann Dienelt“, Spitzname „Lisa“. Zschäpe habe für sie eingekauft, sagt die Zeugin.

Tag 68 / 11. Dezember 2013: Weitere Zeugen von Urlauben auf Fehmarn sagen aus. Uwe Mundlos galt als „Frauenversteher“, die drei hätten wie eine Familie gewirkt.

Tag 69 / 18. Dezember 2013: Rüde und unbeherrscht tritt der Vater von Uwe Mundlos auf. Siegfried Mundlos, Ex-Informatik-Professor, beleidigt Richter Götzl als „Klugsch…“ Götzl droht ihm Ordnungsmittel an. Vater Mundlos attackiert auch den Thüringer Verfassungsschutz und die Bundesanwaltschaft. Außerdem behauptet er, es seien nicht zehn, sondern zwölf Tote zu beklagen. Siegfried Mundlos zählt seinen Sohn und Uwe Böhnhardt mit den Mordopfern der beiden zusammen.

Tag 70 / 19. Dezember 2013: Die Einvernahme von Siegfried Mundlos geht weiter. Der Vater betont, für ihn sei „noch unbewiesen“, dass sein Sohn, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe die in der Anklage aufgelisteten Taten begangen haben.

Tag 71 / 20. Dezember 2013: Die Videovernehmung von Charlotte E. scheitert. Die alte Frau, aus ihrem Pflegeheim in Zwickau zugeschaltet, wirkt verwirrt. Richter Götzl bricht die Befragung ab. Was Charlotte E. erlebt hat, als die Wohnung ihrer Nachbarn Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in Flammen aufging, kommt gar nicht erst zur Sprache. Auch eine kommissarische Vernehmung durch einen Zwickauer Richter im Mai 2014 im Pflegeheim misslingt.

Tag 72 / 8. Januar 2014:  Seltsame Aussage eines Freundes des Angeklagten Holger G. Der Zeuge ist mit der Frau verheiratet, die ihre AOK-Karte an G. verkaufte. Den Deal bestätigt der Ehemann. Und er behauptet, der Angeklagte sei drogensüchtig. Der Zeuge, selbst zumindest früher rechtsextrem eingestellt, spricht aber auch von aktuellen Kontakten zu Holger G.

Tag 73 / 14. Januar 2014: Ein Polizist aus Zwickau schildert, was Zschäpe bei ihrer Festnahme am 8. November 2011 bei sich trug: Pfefferspray, Tabletten, eine Geldbörse mit 12,23 Euro, einen Service-Pass für ein Mountain-Bike, ausgestellt auf den Namen „Susann Eminger“, ein Wochenend-Ticket der Bahn auf denselben Namen. Eine heroinsüchtige Zeugin berichtet ebenfalls vom Kauf eines Pre-Paid-Handys für eine fremde Frau in Zwickau, mutmaßlich Zschäpe.

Tag 74 / 15. Januar 2014:  Erschreckende Angaben zu Explosion und Brand in der Zwickauer Frühlingsstraße. Ein Gutachter des BKA spricht von zehn Litern Benzin, die in der Wohnung verschüttet wurden. Die Dämpfe verursachten eine Verpuffung, bei der das Dachgeschoss, direkt über der Wohnung, mit einer Wucht von 150 Tonnen auf einer Fläche von 50 Quadratmetern „gelupft“ wurde, wie der Kriminaltechniker sagt.

Tag 75 / 16. Januar 2014: Die Beweisaufnahme zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter beginnt. Polizisten berichten, wie sie am 25. April 2007 ihre erschossene Kollegin im Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese fanden. Und den Beamten Martin A., der auch im Auto saß und einen Kopfschuss abbekam, aber überlebte. Martin A. tritt dann auch als Zeuge auf. „Ich bin gottfroh darüber, dass ich noch lebe“, sagt er. Aber er habe schlaflose Nächte, „auch weil Michèle weg ist“. An die Tat kann er sich kaum erinnern. Martin A. ist weiter bei der Polizei, befindet sich allerdings auch jetzt noch in „traumatherapeutischer Behandlung“.

Tag 76 / 21. Januar 2014: Es bleibt unklar, ob Mundlos und Böhnhardt den Anschlag auf Kiesewetter und Martin A. lange geplant hatten oder ob sie spontan handelten. Die Aussage eines Zeugen tendiert zur zweiten Vermutung. Der Pensionär berichtet, nahe der Theresienwiese habe er zwei Männer mit Mountainbikes beobachtet, die sich angeregt unterhielten und möglicherweise stritten. Eine halbe Stunde später habe es geknallt. Mundlos und Böhnhardt waren bei ihren Taten meist mit Mountainbikes unterwegs.

Tag 77 / 22. Januar 2014: Mundlos und Böhnhardt waren gleich nach dem Mord an Kiesewetter im Visier der Polizei. Bei der Ringalarmfahndung, berichtet ein Polizist, wurde auch das Kennzeichen des Wohnmobils notiert, in dem die beiden NSU-Terroristen unterwegs waren. Die Polizei verzeichnete allerdings ingesamt 33 000 Fahrzeuge. Auf die Spur von Mundlos und Böhnhardt kamen die Beamten nicht.

Tag 78 / 23. Januar 2014:Der Vater von Uwe Böhnhardt macht sich Vorwürfe. „Ich habe den Ernst der Lage nicht erkannt“, sagt der gebrochen wirkende Jürgen Böhnhardt. Im Unterschied zu seiner Frau und dem Vater von Uwe Mundlos tritt der Rentner leise auf.

Tag 79 / 28. Januar 2014: Der Ex-Mitarbeiter des Jenaer Szeneladens „Madley“, der dem Angeklagten Carsten S. die Mordwaffe Ceska 83 verkauft hatte, verweigert endgültig die Aussage.

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