Tag 80 bis 99

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Update
397 Verhandlungstage : Die Chronik des NSU-Prozesses
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.
Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa

 Tag 80 / 29. Januar 2014: Dritte Vernehmung des ehemaligen Verfassungsschützers Andreas T. zum Mordfall Halit Yozgat. Auch jetzt bleibt Andreas T. dabei, im Internetcafé von der Tat nichts bemerkt zu haben.

Tag 81 / 30. Januar 2014: Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gerät im Fall Kiesewetter ins Zwielicht. Ein pensionierter Beamter gibt zu, in einen Bericht rassistische Äußerungen eines Psychologen über Roma übernommen zu haben. Das LKA hatte nach dem Mord an Kiesewetter gegen Roma ermittelt, einige hielten sich auf dem Festplatz Theresienwiese auf, als die Tat geschah.

Tag 82 / 3. Februar 2014: Eine ehemalige Nachbarin aus der Polenzstraße in Zwickau beschreibt Zschäpe als kinderlieb. Auf Fragen eines Nebenklage-Anwalts gibt die Zeugin Sympathien für den Rechtsextremismus zu erkennen.

Tag 83 / 4. Februar 2014: Ein Sachverständiger des BKA berichtet, Mundlos und Böhnhardt hätten bei mindestens fünf Morden mit der Ceska 83 einen Schalldämpfer eingesetzt.

Tag 84 / 5. Februar 2014: Befangenheitsantrag gegen den beisitzenden Richter Peter Lang. Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer hatte vor Beginn der Verhandlung gesehen, dass Lang einen Ordner mit der Aufschrift „HV NSU“ trug. HV steht für Hauptverhandlung. Damit bringe der Richter zum Ausdruck, „dass er das Bestehen einer terroristischen Vereinigung namens NSU bereits als erwiesen betrachtet“, sagt Heer. Der Antrag wird später, wie alle Ablehnungsgesuche zuvor, von anderen Richtern zurückgewiesen.

Tag 85 / 18. Februar 2014: Ein Ermittler beschreibt das Brettspiel „Pogromly“, das Uwe Mundlos entworfen haben soll. In der antisemitisch pervertierten Version von Monopoly sollen die Spieler möglichst viele Juden eliminieren. Das Spiel verkauften Unterstützer von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, um den drei Untergetauchten finanziell zu helfen.

Tag 86  / 19. Februar 2014: Ein Beamter des BKA berichtet von einer Durchsuchung der Wohnung Zschäpes in Jena nach ihrer Flucht. In den Räumen wurden unter anderem eine Reichskriegsflagge, das Pogromly-Spiel, ein Luftgewehr mit Zielfernrohr, ein Wurfstern, ein Jagdmesser und ein Buschmesser sichergestellt.

Tag 87 / 20. Februar 2014: Max-Floran B., ein mutmaßlicher Unterstützer des NSU, weigert sich auszusagen. Der Mann soll 1998 Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nach ihrer Flucht aus Jena geholfen haben, in Chemnitz unterzukommen.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Tag 88 / 25. Februar 2014: Die Betreiberin eines Caravan-Verleihs beschreibt, wie ein „Holger Gerlach“ bei ihr Wohnmobile mietete. Bei dem Kunden handelte es sich um Uwe Böhnhardt, er trat unter dem Namen eines der Angeklagten im NSU-Prozess auf. Die Wohnmobile seien immer sauber zurückgekommen, sagt die Frau.

Tag 89 / 26. Februar 2014: Auftritt einer Unterstützerin von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe. Mandy S., einstiger Spitzname „White Power Mandy“, gibt zu, die drei 1998 in Chemnitz in der Wohnung von Max-Florian B. einquartiert zu haben. Mit B. war Mandy S. damals befreundet. Die Frau ging auch zur Stadtverwaltung Chemnitz, um einen Ausweis für Böhnhardt abzuholen, der mit falschen Angaben erschlichen wurde.

Tag 90 / 27. Februar 2014: Weitere Befragung von Mandy S. Die Frau spricht über ihre Verbindungen zur rechtsextremen Szene in Nürnberg. Es bleibt allerdings offen, ob die Kontakte für die Taten des NSU in der Stadt genutzt wurden. Die Terrorzelle verübte in Nürnberg drei Morde und  den Sprengstoffanschlag mit der präparierten Taschenlampe.

Tag 91 / 11. März 2014: Richter Götzl lässt ein Video zeigen, mit dem die Polizei in Kassel das Verhalten des Verfassungsschützers Andreas T. nach dem Mord an Halit Yozgat rekonstruieren wollte. In dem Film aus dem Jahr 2006 zeigt Andreas T., wie er sich am Tattag im Internetcafé von Yozgat bewegt haben will. Nach der Vorführung bleibt aber erst recht zweifelhaft, dass der groß gewachsene T. den hinter einem niedrigen Tresen in einer Blutlache liegenden Yozgat nicht gesehen hat.

Tag 92 / 12. März 2014: Der frühere Chef des hessischen Verfassungsschutzes, Lutz Irrgang, äußert sich zum Fall Andreas T. Er habe nach dem Mord an Halit Yozgat von Andreas T. eine dienstliche Erklärung gefordert und schließlich eine „Suspension bis auf Weiteres“ ausgesprochen, sagt Irrgang. Nach ihm kommt nochmal Andreas T. als Zeuge. Er ändert seine bisherige, mehrmals wiederholte Aussage auch diesmal nicht.

Tag 93 / 13. März 2014: Der Vater von Halit Yozgat fordert in einer sehr emotionalen Erklärung, die Straße nach seinem Sohn zu benennen, in der die Tat stattfand. Richter Götzl reagiert sanft. Anschließend berichtet eine Zeugin, die einst in Jena in der rechten Szene war, über einen „Mädchenabend“ in Zschäpes Wohnung. Zschäpe habe unter der Jacke eine Pistole in einem Holster getragen und die Waffe „Wally“ genannt.

Tag 94 / 18. März 2014: Anwälte der Nebenklage beantragen, den Neonazi Thomas G. und den ehemaligen V-Mann Michael von D. als Zeugen zu laden. Die beiden sollen sich zu Unterstützern des NSU äußern.

Tag 95 / 19. März 2014: Ein Zeuge gibt zu, für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nach ihrem Verschwinden aus Jena einen Mietvertrag für eine Wohnung in Chemnitz abgeschlossen zu haben.

Tag 96 / 20. März 2014: Nochmal der Neonazi André K. aus Jena. Er behauptet, die Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“, in der Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe mitmachten, sei keine feste Organisation gewesen. Der Name sei „bierlaunig“ entstanden. 

Tag 97 / 25. März 2014: Polizisten berichten über die Vernehmung von Max-Florian B., in dessen Chemnitzer Wohnung Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe 1998 unterschlüpfen konnten. B. habe erzählt, die drei hätten ihm später aus Zwickau zur Geburt seines Sohnes ein Päckchen mit einem Plüschkrokodil geschickt.

Tag 98 / 26. März 2014: Eine ehemalige Freundin von Ralf Wohlleben berichtet wirr vom Tag der Flucht von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe aus Jena. Die Frau will am 26. Januar 1998 nach Erfurt gefahren sein, um Wohlleben zu „informieren“, der dort eine Ausbildung machte. Vermutlich ging es aber eher darum, dass Wohlleben seinen Wagen für die drei zur Verfügung stellte.

Tag 99 / 27. März 2014: Ein  pensionierter Verfassungsschützer aus Thüringen lobt den ehemaligen Spitzel Tino Brandt. Der V-Mann sei sehr kooperativ gewesen und habe zum rechten Spektrum ehrlich berichtet. Zum möglichen Doppelspiel des Neonazis im Fall des NSU äußert sich der Zeuge nicht.

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