Politik : 4 Tote – aber Deutsche bleiben in Kabul

Bundeswehrsoldaten sterben bei Selbstmordanschlag / Bush telefoniert mit Schröder / Struck verteidigt Einsatz

Antje Sirleschtov

Berlin/Kabul. Bei dem ersten tödlichen Anschlag auf deutsche Angehörige der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) sind am Samstag in Kabul vier Bundeswehrsoldaten getötet worden. 29 weitere Deutsche seien verletzt, sagte Verteidigungsminister Peter Struck in Berlin. Sieben davon schwer. Ein offenbar mit Sprengstoff präpariertes Taxi war neben einem mit Soldaten besetzten Bus explodiert. Struck bezeichnete die Situation im Land als „nicht sicher und nicht stabil“. Der Anschlag habe „eine neue, schreckliche Dimension“. Dennoch werde die Bundeswehr ihr Mandat fortsetzen und gegebenenfalls auch ausweiten.

Die afghanische Regierung geht offenbar von einem Anschlag des Terrornetzwerks Al Qaida aus. Struck sagte am Samstagabend im ZDF, sein afghanischer Amtskollege habe ihm in einem Telefonat Hinweise auf eine Urheberschaft von Al Qaida gegeben. Am Freitag hatte ein Taliban-Kommandeur gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Angriffe auf ausländische Truppen angekündigt, nachdem am Mittwoch 40 Taliban bei Gefechten mit afghanischen Soldaten getötet worden waren.

Das Attentat ereignete sich am frühen Samstagmorgen, als ein Konvoi mit vier Fahrzeugen das Bundeswehr-Camp verließ, um 33 deutsche Soldaten, deren Einsatz in Kabul beendet war, zum Flughafen zu fahren. Ein Taxi habe sich auf einer belebten Straße in den Konvoi gedrängt und den Sprengstoff gezündet, sagte Struck. Wenige Minuten später schon habe die medizinische Erstversorgung der Soldaten, die keine Schutzwesten trugen, begonnen. Die Verletzten würden noch an diesem Wochenende nach Deutschland gebracht. „Wir nehmen den Tod der Soldaten mit tiefer Trauer und Bestürzung auf.“

US-Präsident George W. Bush habe Bundeskanzler Gerhard Schröder telefonisch das Beileid seines Volkes ausgesprochen, sagte der Minister. Beide hätten vereinbart, „den Kampf gegen den Terror gemeinsam fortzusetzen“. Der afghanische Präsident Hamid Karsai zeigte sich über den Anschlag erschüttert und verurteilte ihn „aufs Schärfste“. Bundespräsident Johannes Rau zeigte sich über den Tod der Soldaten bestürzt. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete das Attentat als „feige und hinterhältig“. Auf die Frage nach ausreichender Sicherheit der Isaf-Truppen sagte der Verteidigungsminister: „Ich kann nicht erkennen, dass wir fahrlässig gehandelt haben.“ Es habe keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag gegeben. Eine Verschärfung der Sicherungsmaßnahmen und den eventuellen Transport von Soldaten in Panzern oder gepanzerten Fahrzeugen lehnte Struck auch für die Zukunft grundsätzlich ab. Der Auftrag der Isaf sei es, Vertrauen in der Bevölkerung zu erwerben. „Martialisches Gerät verträgt sich damit nicht.“

Der verteidigungspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Christian Schmidt, forderte, das so genannte „Erkundungsteam" der Bundeswehr zu Einsätzen außerhalb Kabuls vorerst nicht nach Afghanistan zu schicken. Dem Tagesspiegel am Sonntag sagte Schmidt, „der Einsatz ab Dienstag kommender Woche muss verschoben werden". Struck lehnte das ab. Gleichwohl werde eine Mandatserweiterung „geprüft“.

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