Politik : 40 000 Studenten demonstrieren für bessere Studienbedingungen

Protest gegen Gebühren und Zwangsexmatrikulation / Unterstützung von Politikern BONN (Tsp).Rund 40 000 Studenten haben am Donnerstag in Bonn gegen die Finanzmisere an den deutschen Hochschulen demonstriert.Mittlerweile werden an etwa 50 Universitäten die Vorlesungen boykottiert, auch in Berlin.In Kiel beteiligten sich 5000 Studenten an einem Demonstrationszug.Erneut wurden die Studenten aus allen politischen Lagern unterstützt. In Bonn hatten sich bereits am Morgen mehr als 10 000 Studenten zu einer Auftaktkundgebung eingefunden.Der unerwartete Zustrom führte zu langen Staus auf den Autobahnzufahrten.Auf Transparenten war zu lesen: "Pünktlich zur Jahrtausendwende ist unsere Bildung am Ende." Mit Trommeln, Trillerpfeifen und Samba wappneten sich die Teilnehmer mit guter Laune gegen die Kälte und zogen in einem langen Zug zur Hofgartenwiese.Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse und Bildungspolitiker aus den Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen nahmen an der Demonstration teil. Zustimmung erhielten die Studenten, die sich gegen Studiengebühren und Zwangsexmatrikulation wandten, auch von Politikern der Regierungsparteien.FDP-Chef Wolfgang Gerhard ermutigte nach einem Gespräch mit Studentenvertretern dazu, die Aktionen von Bonn aus in den Ländern fortzusetzen.Gesprächsbereit zeigte sich auch Kanzleramtsminister Friedrich Bohl (CDU).Die Studenten hatten Bundeskanzler Helmut Kohl aufgefordert, mit einer Delegation zu sprechen, um sich ein Bild über ihre Situation zu machen. Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) hatte sich bereit erklärt, nach der Demonstration mit Studentenvertretern zu sprechen.Das Treffen stand bei Redaktionsschluß noch aus.Auch in anderen Städten fanden gestern kleine Demonstrationen statt, so in Hanau, Münster und Regensburg.Die Berliner Studenten haben angekündigt, ihre Aktionen auszuweiten.Zu Zwischenfällen kam es am Donnerstag nicht, die Polizei lobte das disziplinierte Verhalten der Demonstrationsteilnehmer.Unter den Politikern ging unterdessen der Streit um die Verantwortung für die Hochschulmisere weiter.Nach den Attacken des Bundeskanzlers auf die sozialdemokratische Hochschulpolitik in den Ländern griff SPD-Chef Oskar Lafontaine die Bundesregierung heftig an.Die Länder hätten durch die unsolide Finanzpolitik des Bundes Spielraum verloren.Bundesminister Rüttgers wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine Entscheidung über die BAFöG-Reform noch vor Weihnachten an.Hessen plant offenbar ein Sonderprogramm für die Hochschulen in Höhe von 8,1 Millionen Mark.Das Programm soll am heutigen Freitag vorgelegt werden.

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