Politik : 40 Jahre nach der Schweinebucht-Invasion: Die Blamage des liebsten Präsidenten

Christian Böhme

Das Debakel dauerte keine 72 Stunden. Am 17. April 1961 landeten von Amerika trainierte Exilkubaner am Strand der Schweinebucht, um Fidel Castro zu vertreiben. Drei Tage später trieben mehr als hundert der knapp 1500 Angreifer tot im Meer, fast 1200 wurden von der regulären kubanischen Armee gefangen genommen. Erst zwei Jahre später kamen sie frei. Als Gegenleistung mussten die USA dem verhassten Maximo Lider Waren im Wert von 53 Millionen Dollar überlassen.

Die fehlgeschlagene Invasion war Castros erster Sieg über den "Yankee-Imperialismus" nach seiner Machtübernahme 1959 - und John F. Kennedys bitterste außenpolitische Niederlage. Bis heute wirkt sie nach. Fünf Tage nach der gescheiterten Einmarsch verhängte der US-Präsident das bis heute gültige Embargo gegen den Karibikstaat. Ein paar Monate später wiederum erlaubte Castro der Sowjetunion, auf Washington gerichtete Mittelstreckenraketen zu stationieren.

Wie aber konnte es zum Schweinebucht-Desaster kommen? War Kennedy etwa ein Hasardeur, der um jeden Preis zu Beginn seiner Amtszeit einen Erfolg wollte? Das wohl nicht. Eher war der damalige Chef des Weißen Hauses - das verbindet ihn mit dem heutigen Amtsinhaber George W. Bush und dessen China-Problem - einfach noch zu unerfahren, konnte die Situation nicht einschätzen. Und er verließ sich allzu naiv auf (falsche) Ratgeber - eine Erbschaft seines Vorgängers Eisenhower, ebenso wie den Plan, Castro zu vertreiben.

Eigentlich war Kennedy von diesem Invasions-Vorhaben wenig begeistert. Doch mitten im Kalten Krieg glaubte er, als "linker" Demokrat besondere Härte zeigen zu müssen. Da spielten dann auch kritische Stimmen einiger Militärs keine große Rolle mehr. Dennoch setzte der Präsident die Pläne eher halbherzig um. Amerikanische Soldaten und die Luftwaffe durften nicht in die Kämpfe eingreifen. Die kubanischen Massen würden sich schon den Invasoren beim Sturz des Diktatoren anschließen. Das war eine Fehleinschätzung des amerikanischen Geheimdienstes, aber bei weitem nicht die einzige.

Vor drei Jahren wurde ein bis dahin geheimer, interner Bericht der CIA veröffentlicht. Ein Blick in die Akten zeigt, dass es eine lange Reihe von Fehlern und Versäumnissen gab. Ignoranz und Inkompetenz führten zu Pleiten, Pech und Pannen. Die Aktion sei, so schrieb der damalige Generalinspekteur des Geheimdienstes Lyman Kirkpatrick, "lächerlich oder tragisch oder beides" gewesen: Die exilkubanische Freiwilligentruppe mit dem Namen Brigade 2506 war schlecht ausgerüstet und noch schlechter ausgebildet. Es gab keine richtige Koordinierungsstelle. Im Grunde wusste die CIA überhaupt nicht über die innenpolitische Lage auf Kuba Bescheid. Washingtons und damit auch Kennedys Blamage war hausgemacht. Der sowjetische Staatschef Chrustschow hielt den Mann im Weißen Haus fortan für ein Weichei.

Doch der Präsident zog Lehren aus der Niederlage. Die ist sogar nach Auffassung von Christian Hacke, Professor für internationale Politik in Bonn und Amerika-Experte, eine Voraussetzung für Kennedys starkes Auftreten in den folgenden Jahren. Denn nach dem Schweinebucht-Fiasko wurde ein Großteil der amerikanischen Außenpolitik und der Geheimdienste neu organisiert. Wichtige Posten übernahmen Mitarbeiter, die das Vertrauen des Regierungschefs genossen. Während der Kuba-Krise 1962, die die Welt an den Rande eines Nuklearkrieges brachte, gab Kennedy dann den Hardliner.

Und Fidel Castro? Der altgediente Berufsrevolutionär hat vor wenigen Wochen bei einer Konferenz in Havanna zum Besten gegeben, dass ihm rückblickend Kennedy der "liebste US-Präsident" war. Hätte etwa Richard Nixon 1960 die Wahl gewonnen, "wäre alles viel schlimmer gekommen". Denn der Republikaner hätte sicherlich Truppen geschickt, und "die USA hätten schon mehr als zehn Jahre früher ein Vietnam erlebt".

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