Politik : 46 Deutsche sagen gegen Polizisten in Genua aus

Barbara Junge

Berlin - Deutsche Globalisierungsgegner könnten ab dieser Woche eine wichtige Rolle bei der juristischen Aufarbeitung eines Polizeieinsatzes in Italien spielen. Ab Mittwoch treten 46 Deutsche, die sich während der Proteste im Juli 2001 gegen das Treffen der G8-Regierungschefs in Genua aufhielten, vor Gericht als Zeugen gegen Polizisten auf. Die gewalttätigen Proteste und das Verhalten der Polizei hatten damals weltweit für Aufsehen gesorgt, als der 23-jährige Demonstrant Carlo Giuliani von einem 20-jährigen Polizisten erschossen wurde.

In der Nacht vom 21. Juli drangen uniformierte Nahkampfeinheiten der italienischen Polizei in die Diaz-Schule in Genua ein. Dort übernachteten mehrere Gruppen von G8-Protestierern, das Quartier war ihnen von den Behörden zugewiesen worden. Die Bilanz der Razzia: 93 Festnahmen, davon 61 zum Teil Schwerverletzte, ein junger Mann im Koma, viele auf der Intensivstation. Die Polizei präsentierte danach Spitzhacken, schwere Metallrohre und zwei Molotow-Cocktails – alles Waffen, die bei der Razzia gefunden worden seien. Zudem sei ein Beamter mit einem Messer attackiert worden.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Genua einen anderen Ablauf rekonstruiert. Nach Aussagen beteiligter Polizisten sollen Beamte die Molotow-Cocktails selbst deponiert haben, die anderen Waffen stammten von Bauarbeitern, die an der Schule arbeiteten. Die Geräte lagen offenbar in einem abgeschlossenen Raum, den die Polizei aufgebrochen hatte. Und die Jacke des Beamten, der mit dem Messer angegriffen worden war, wurde, das haben offenbar Tests ergeben, im nicht angezogenen Zustand geschnitten.

Alle Verhafteten aus der Diaz-Schule wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt, da sich keine Straftaten ermitteln ließen. Verhandelt wird gegen beteiligte Polizisten jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Verleumdung und Urkundenfälschung. Unter den Verletzten befanden sich zahlreiche deutsche Globalisierungsgegner. Sie reisen jetzt nach Genua.

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