Politik : 475 Taliban durch Tunnel geflüchtet

Kabul - Bei einem spektakulären Gefängnisausbruch in der südafghanischen Stadt Kandahar ist hunderten Taliban-Kämpfern die Flucht gelungen. Wie Gouverneur Tooryalai Wesa am Montag mitteilte, entkamen insgesamt 475 Gefangene durch einen mehr als 300 Meter langen Tunnel. Bis auf einen seien alle „politische Gefangene“ gewesen. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai nannte den Vorfall einen „schweren Schlag“ für die Sicherheitskräfte. Gouverneur Wesa sprach vom „Versagen“ des Gefängnispersonals und des Geheimdienstes. Ein Sprecher der Taliban erklärte, die Aufständischen hätten 540 Häftlinge befreit. Darunter seien rund 100 Taliban-Kommandeure, bei den anderen handele es sich um einfacher Kämpfer. Es habe mehr als vier Stunden gedauert, um alle ins Freie zu bringen. Nach Taliban-Angaben wurde an dem Fluchttunnel fünf Monate lang gegraben. Nach Angaben der Provinzregierung wurde der Tunnel von einem Haus außerhalb der Gefängnismauern zum Trakt für politische Gefangene gegraben. Ermittler prüften jedoch auch, ob ein alter Abwasserkanal als Fluchtweg gedient haben könnte. In der Region Kandahar wurde eine Großfahndung nach den Flüchtigen eingeleitet, einige konnten offenbar bereits wieder verhaftet werden. Die Nato-Schutztruppe bot den Behörden Unterstützung an. Bereits Mitte 2008 waren massenhaft Insassen des Gefängnisses entkommen. Ein Taliban-Kommando hatte die Haftanstalt am Stadtrand von Kandahar gestürmt und 400 Gesinnungsgenossen die Flucht ermöglicht. Mit ihnen waren 600 weitere Häftlinge geflohen. Bei der Aktion starben fast 20 Menschen, darunter 10 Polizisten. dpa

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