Politik : 5 Jahre nach Dayton: "Ein dauerhafter Frieden ist in Bosnien noch nicht eingekehrt"

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Wolfgang Ischinger (54) war zusammen mit dem Amerikaner Richard Holbrooke maßgeblich an Dayton und somit an der Befriedung in Bosnien beteiligt.



Sie waren als deutscher Chefunterhändler am Frieden von Dayton vor fünf Jahren beteiligt. Was war das kniffligste Problem?

Überhaupt ein Gespräch über die völlig gegenteiligen Interessen der Moslems, Serben und Kroaten in Bosnien zustande zu bringen und zu einer Lösung zu führen. Bis fast zum Schluss war es zweifelhaft, ob es mit einem Erfolg endet. Diese drei Wochen waren spannend bis zum letzten Tag.

Welche Seite war der härteste Brocken?

Der bosnische Präsident Izetbegovic war ein Zauderer und deshalb als Führer der Bosniaken kein leichter Verhandler. Der kroatische Präsident Tudjman, inzwischen verstorben, hatte klar definierte Interessen, dort lag nicht das zentrale Problem. Die größte Schwierigkeit war die Frage, ob die bosnischen Serben unterschreiben würden. Ihre Delegation weigerte sich, deshalb trägt das Dayton-Dokument die Unterschrift des jugoslawischen Außenministers Milutinovic aus Belgrad. Das war der größte Mangel der Verhandlungen: dass die bosnischen Serben nicht bereit waren, sie mitzutragen.

Dayton war wie Hausarrest oder eine Papstwahl: kein Kontakt nach außen, gehen darf man erst, wenn ein Ergebnis vorliegt.

Die europäischen Delegationen, auch die Russen, haben sich an das Presseverbot strikt gehalten. Später stellte sich heraus, dass die amerikanischen Gastgeber nicht ganz so streng mit sich waren. So wurden wir gegen Ende der drei Wochen mit Pressedarstellungen konfrontiert, die den Schwerpunkt etwas zu sehr auf die amerikanische Rolle legten und etwas zu wenig auf den Beitrag der Europäer.

Was von den Dayton-Vereinbarungen ist Wirklichkeit geworden, was nicht?

Seit fünf Jahren wird nicht mehr geschossen. Wirtschaftlicher Wiederaufbau findet überall statt. Aber es ist noch kein sich selbst tragender, dauerhafter Frieden eingekehrt. Die Wiederansiedlung der Flüchtlinge ist erst zum Teil erreicht. Sie sind zum Großteil aus dem Ausland nach Bosnien zurückgekehrt, können aber oft nicht in ihre Heimatorte, wenn diese heute im Gebiet einer anderen Volksgruppe liegen. Die Hauptprobleme liegen dabei im serbischen und im kroatischen Gebiet.

Wie groß ist die Gefahr einer Teilung?

Das war die große Leistung von Dayton, dass der einheitliche Staat Bosnien-Herzegowina erhalten wurde. Die Chancen auf endgültige Stabilisierung sind enorm gewachsen, seit sich in Kroatien und nun auch in Serbien demokratische Kräfte durchgesetzt haben. In einem Punkt darf es keine Zweifel geben: Wer an den Grenzen herumhantiert, gefährdet die Stabilität der ganzen Region. Das gilt für die Republika Srpska, den künftigen Status des Kosovo, die Montenegro-Frage. Grenzveränderungen kann es nur einvernehmlich im Kontext einer regionalen Friedenslösung geben.

Die Friedenstruppe hatte ein Mandat für ein Jahr. Jetzt sind es fünf. Wie viele noch?

Ein Datum für den endgültigen Abzug zu nennen, wäre heute ein falsches Signal. Die Präsenz hilft der Regierung in Sarajevo und der gesamten Region, Stabilität zu entwicklen. Sie ist noch lange nötig.

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