Politik : 50 gegen Hunger und Folter

Immer mehr Gruppen setzen sich für die Menschenrechte ein

Klaus Geiger

Hunger, Folter oder Kinderarbeit - weltweit werden Menschenrechte immer wieder grob verletzt. In Deutschland haben sich mehr als 50 Organisationen den Kampf gegen solche Missstände auf die Fahnen geschrieben. Und seit einigen Jahren prangern hierzulande nicht mehr nur klassische Gruppierungen wie Amnesty International oder Human Rights Watch die Verbrechen gegen die Menschenwürde an. Auch kirchliche Initiativen, die bisher vor allem Hilfe vor Ort leisteten, geben ihre ehemals weit gehende Neutralität auf: Das katholische Hilfswerk Misereor etwa zuletzt mit einer Kampagne gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der asiatischen Spielzeugindustrie. Auch politische Stiftungen wie die SPD- nahe Friedrich-Ebert-Stiftung nehmen sich immer stärker der Menschenrechte an.

Trotz der großen Zahl von Gruppierungen machen sich die Organisationen nach Ansicht von Experten kaum Konkurrenz. „Die meisten sind relativ speziell“, sagt Professor Eckhardt Klein vom Menschenrechtszentrum Potsdam. „Amnesty kümmert sich vor allem um politisch Verfolgte, andere nur um die Not von Kindern oder Frauen.“ Misereor sieht dies ähnlich. Die Organisation unterstütze oft Amnesty International, um politisch Verfolgte aus ihren Heimatländern zu bringen. „Wir können in solchen Fällen einfach mehr Mittel zur Verfügung stellen“, sagt Elisabeth Strohscheidt von Misereor. „Das ist weniger eine Konkurrenz, sondern eine verbesserte Zusammenarbeit.“

Für die Kooperation wurde in den 90er Jahren auch das Forum Menschenrechte gegründet, in dem bereits mehr als 40 Organisationen ihre Arbeit abstimmen. Große Gruppierungen wie Terre des Hommes finden sich dort genauso wie kleine, sehr spezialisierte Inititiativen – der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge etwa.

Neben der großen Zahl dieser ideologisch und finanziell weit gehend unabhängigen Gruppen wurde vor wenigen Jahren das Deutsche Institut für Menschenrechte geschaffen, das vom Bund finanziert wird. In Berlin angesiedelt, informiert es nicht nur über Verstöße gegen Grundrechte, sondern soll auch die Ausbildung für Berufe der Menschenrechtsarbeit überwachen.

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