Politik : 500 Baustellen bestreikt

NAME

Berlin (dpa). Auf Deutschlands Baustellen hat am Montag der erste bundesweite Bauarbeiter-Streik der Nachkriegsgeschichte begonnen. Mit Beginn der Frühschicht traten nach Angaben der Gewerkschaft IG Bau mehr als 8000 Beschäftigte in den Ausstand. Insgesamt wurden 500 Baustellen lahm gelegt. Schwerpunkte waren Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet. Der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel kündigte an, den Arbeitskampf auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten, falls die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. „Von der finanziellen und logistischen Seite her sind wir in der Lage, den ganzen Sommer zu streiken“, sagte Wiesehügel. Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft vor, mit dem Streik die Krise der Bauwirtschaft zu verschärfen.

Trotz der lauten Töne gab es von beiden Seiten aber auch Signale für eine baldige Rückkehr an den Verhandlungstisch. Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbandes, Michael Knipper, kündigte ein verbessertes Angebot an: „Bei den Mindestlöhnen in Ostdeutschland werden wir sicherlich noch nachbessern.“ Die Tarifverhandlungen waren vor allem am Streit über eine Angleichung der ostdeutschen Mindestlöhne an das Westniveau gescheitert. Bei den Einkommen seien dagegen „mehr als drei Prozent nicht drin“, sagte Knipper. Bereits am Dienstag könnten erste Sondierungsgespräche stattfinden. Am Ende der Woche wären dann neue Verhandlungen möglich.

In dem seit Februar dauernden Tarifkonflikt waren alle Versuche für eine friedliche Einigung gescheitert. Die IG Bau fordert für die bundesweit 850 000 Beschäftigten Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent. Die Arbeitgeber bieten für dieses und nächstes Jahr eine stufenweise Erhöhung von 3,0 und 2,1 Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben