5000 Gäste ausgeflogen : Frustriert vom plötzlichen Ferienende in Tunesien

Am Sonnabend zogen sämtliche Reiseveranstalter die Reißleine und flogen die Tunesien-Urlauber aus. Für verlorene Ferientage soll es eine Kostenerstattung geben.

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Die Vorhut landete am Freitagabend mit zwei Germania-Jets in Tegel: Mit Trolleys und Kofferwagen trotteten die verhinderten Urlauber etwas frustriert zu den Ausgängen – aber auch erleichtert, möglichen Gefahren entkommen zu sein. Über „Thomas Cook“ hatten sie den Tunesienaufenthalt gebucht, nun holte das Unternehmen sie vorzeitig zurück. Am Sonnabend zogen dann alle weiteren Reiseveranstalter nach: Tui und Rewe-Touristik mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg organisierten Sonderflüge für etwa 5000 Urlauber ab Monastir, Djerba oder dem Golfer-Treff Hammamet. In Berlin-Tegel landeten zwei Maschinen, weitere auf vielen anderen deutschen Flughäfen.

Am Morgen war noch ungewiss gewesen, ob der Luftraum über Tunesien wegen des Ausnahmezustands gesperrt bleibt, die Ausgangssperre beeinträchtige den Bustransfer zu den Flughäfen. Gegen Mittag aber lief die Rückholaktion an. Einige Urlauber weigerten sich, ihre Sachen zu packen. Die Hotels wurden bisher von Gewalt verschont. Tui-Sprecherin Kathrin Spichala sagte: „Sie wurden auf das Risiko hingewiesen und blieben dann auf eigene Verantwortung.“ Die Rückkehrer hätten für verlorene, aber schon bezahlten Ferientage „Anspruch auf Kostenerstattung“, versicherten Sprecher von Tui und Thomas Cook.

Etliche Urlauber lobten bei der Ankunft in Berlin die „gute Organisation“ der Rückreisen. Auf Germaniaflug ST 7856 aus Monastir wartete bis zur Landung um 18 Uhr 10 Mario Booch aus Berlin – ob seine Eltern aus Halle wirklich an Bord waren, wusste er nicht, bis sie hinter der Glaswand im Ankunftsraum auftauchten. Das Rentnerpaar wollte in Nordafrika drei Monate überwintern. Am Freitag waren sie schon zum Flughafen gebracht worden, konnten aber nicht starten und mussten ins Hotel zurück. Am Samstag reichte die Zeit nur für eine SMS: Man steige in ein Flieger nach Berlin, schrieben sie.

Im Iberotel in Mahdia fühlten sich Edith und Joachim Meyer „nicht einen Moment unsicher“, erzählen sie nach der Landung. Auch wenn draußen geschossen und die Polizeiwache in Brand gesteckt wurde. Die Bilder in ARD und ZDF seien schlimmer gewesen als das, was sie selbst sehen konnten. Manche wurden am Pool oder Strand überraschend von Reiseleitern aufgefordert, schnellstens zu packen. Das Chaos am Flughafen sei zwar „höllisch“ gewesen, Aggressionen gegen Ausländer gab es aber nicht, berichteten Reisende.

Bis zum 24. Januar haben die meisten Veranstalter Urlaubsflüge nach Tunesien abgesagt. Wer schon gebucht hat, kann kostenlos umbuchen.du-/CS/dapd

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