Politik : 6:0 für Ulla Schmidt

Gerd Appenzeller

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Natürlich ist beim Umzug der Politik von Bonn nach Berlin nicht alles glatt gegangen. Manches Bewahrenswerte ist sogar auf der Strecke geblieben. So gehören die Versuche, an der Spree so etwas wie närrischen Frohsinn zu etablieren, zu den rührendsten gescheiterten Bemühungen der menschlichen Fortbildung, die es jemals gegeben hat. Und so werden unsere aus dem Rheinischen, Badischen und Schwäbischen stammenden Politiker bis zum Aschermittwoch Ende Februar in ihrer Heimat tief in den Karneval, den Fasching oder die Fasnacht eintauchen. Auch Ulla Schmidt, die Gesundheitsministerin, obwohl „Bild“ gestern meldete, ihre eigenen Berater würden Frau Schmidt von einem öffentlichen Auftritt bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst abraten. Grund: Ihr Ruf sei durch die verpatzte Gesundheitsreform so ruiniert, dass sie sich besser verstecken solle.

Wird sie nicht, jede Wette. Erstens sind Narren von jeher erzkonservativ. Bei „Mainz, wie es singt und lacht“ wurden Sozialdemokraten schon gnadenlos niedergemacht, als die SPD noch eine erheblich bessere Performance als heute hatte. Was soll’s also? Zweitens gehört es für die Promis beim Karneval dazu, sich mit verbaler Jauche überschütten zu lassen und dabei weiter fröhlich zu lachen. Drittens ist es der Sinn der närrischen Zeit, die „da oben“ zu zausen, also darf man gar nicht kneifen. Viertens reagiert Ulla Schmidt auf Kritik sowieso wie ein Hund, der sich nach einem Wasserguss einfach schüttelt. Fünftens darf sich im Karneval auch der komisch finden, über den sonst niemand lacht. Und sechstens ist in dieser Zeit immer alles anders als sonst im Jahr. Übrigens: Wo steckt eigentlich Rudolf Scharping?

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