Politik : 60 Länder wollen Tschernobyl neuen Betonmantel sponsern

14 Jahre nach der schwersten zivilen Atomkatastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl soll der Betonmantel des Unglücksreaktors erneuert werden. Um das Geld dafür zusammenzubringen, will die Bundesregierung für Mitte Juli rund 60 Staats- und Regierungschefs zu einer Geberkonferenz nach Berlin einladen. Dies bestätigte eine Regierungssprecherin. Unmittelbar nach der Katastrophe am 26. April 1986 war der so genannte Reaktor 4 mit einem Mantel aus 250 000 Tonnen Beton eingeschlossen worden, um die radioaktive Strahlung einzudämmen. Inzwischen ist dieser "Sarkophag" einsturzgefährdet und stellt nach Meinung von Experten erneut eine Gefahr für ganz Europa dar.

Die Berliner Konferenz findet auf Initiative der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G 8) statt, in der Deutschland die Zuständigkeit für die Tschernobyl-Problematik übernommen hat. Organisiert wird die Konferenz vom deutschen Außenamt und Umweltministerium. Die Kosten für den neuen Betonmantel werden nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" von Experten auf einen mehrstelligen Millionenbetrag beziffert. Ein Bericht der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zeige, dass die "Stabilität des Sarkophags langfristig gefährdet" sei. Bei größeren Schäden an der Betonhülle könnten am Standort "relativ hohe Strahlenexpositionen auftreten".

Offiziell soll auf der Berliner Konferenz allein die Frage des neuen Betonmantels auf der Tagesordnung stehen und nicht der andauernde Streit um die künftige Energieversorgung in der Ukraine. Das Land hatte sich 1995 gegenüber den sieben wichtigsten Industrienationen zur Abschaltung von Tschernobyl spätestens im Jahr 2000 verpflichtet. Zugleich bekam die Ukraine rund sechs Milliarden Mark für den Bau zweier neuer Atomkraftwerke versprochen, mit dem auch schon begonnen wurde. Inzwischen sind mehreren europäischen Staaten die ukrainischen Atomkraftwerke aber nicht mehr sicher genug.

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