Politik : 60 Tote bei Doppelattentat auf Arbeitsuchende in Badgad

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Bagdad - Bei zwei koordinierten Selbstmordanschlägen im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Dienstagmorgen mindestens 60 Menschen getötet worden. Etwa 220 weitere wurden nach Angaben von Ärzten zum Teil schwer verletzt. Laut Augenzeugen rammte ein erster Attentäter mit seinem Fahrzeug einen Polizeiwagen und löste eine Explosion aus. Ein weiterer Attentäter steuerte danach seinen mit Sprengstoff präparierten Lieferwagen in die aufgeschreckte Menge auf der anderen Seite des Platzes. Es handelte sich zumeist um Arbeit suchende Schiiten.

Nach den gewaltigen Explosionen habe auf dem ganzen Platz kein Mensch mehr aufrecht gestanden. „Ich arbeite mit vier Kollegen, sie sind alle in Stücke gerissen“, sagte der Tagelöhner Chaled Nasser. Allein im Bin-al-Nafis-Krankenhaus wurden nach den Angaben eines Arztes 25 Schwerstverletzte behandelt. Zwei Gebäude am Platz wurden durch die Wucht der Explosionen beschädigt, mehrere Geschäfte brannten vollkommen aus.

Ministerpräsident Nuri al Maliki verurteilte die Anschläge und machte sunnitische Extremisten dafür verantwortlich. Er versprach eine Verfolgung und Bestrafung der Drahtzieher der Anschläge. Für Samstag bereitet die Regierung eine Konferenz zur nationalen Aussöhnung vor. In den vergangenen Wochen waren bei einer Reihe schwerer Anschläge in Bagdad zahlreiche Menschen getötet worden. Im November starben bei einer Anschlagserie im Stadtteil Sadr City allein an einem Tag mehr als 200 Menschen. Im ganzen Land fallen nach UN-Angaben täglich mehr als hundert Iraker religiös motivierter Gewalt zum Opfer.

Auch im schiitischen Mausoleum in der irakischen Stadt Samarra explodierte am Dienstag eine Bombe. „Die Schäden sind geringfügig“, teilte die US-Armee mit. Das Mausoleum war bereits im Februar Ziel eines schweren Anschlags und wurde damals weitgehend zerstört.

Im Bemühen um eine neue Irakstrategie und ein Ende der Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen wollte US-Präsident Bush am Dienstag erneut mit Experten und führenden irakischen Politikern beraten. So wollte er den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al Haschemi treffen, den höchsten Vertreter der sunnitischen Minderheit im Irak. AFP

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